Am 3. Oktober 2026 geschah etwas Besonderes. Mehr als 2.000 Menschen kamen auf dem Altmarkt in Zeitz zusammen. Dann begann die Stadt zu singen. Nicht als politische Kundgebung. Nicht als Fest mit einer Botschaft. Sondern als Versuch, für einen Abend etwas herzustellen, das im Alltag schwer geworden ist: Gemeinsamkeit.
Die Stadtoper „STIMMEN“, ein Projekt der Stiftung Bauhaus Dessau im NEB_PROJEKT Reallabor ZEKIWA Zeitz (RZZ), machte aus Zeitz eine Bühne und aus ihren Bürgern und Bürgerinnen Mitwirkende. Ein Vogelhorn rief vom Rathausturm. Chöre sangen aus Fenstern, Motorräder kreisten um einen vierzehnjährigen Schlagzeuger. Ein ukrainischer Chor sang über den Altmarkt. Eine Opernstimme antwortete von einem landwirtschaftlichen Anhänger. Glocken, Orgel, Cello, Saxofone, Feuerwehr, Kinder, Vereine und Zuschauende gerieten in eine gemeinsame Partitur. Klänge, bei denen selbst die Pflastersteine Gänsehaut bekamen. Dieses Gefühl der Gemeinsamkeit belebte leerstehende Häuser und erfüllte zum Finale die gesamte Nikolaikirche mit Gesang auch aus dem Publikum.
„Leere wurde mit Klang gefüllt“, so Karin Kretzschmar, Mitglied des Gospelchors „Celebrate“ Zeitz.
„Ich glaube, ich habe Zeitz noch nie so erlebt, es war so lebendig, so offen und so getragen von Musik“, erzählt Varvara Kyrychenko Mitglied im ukrainischen Chor und dem Oberstufenchor des Geschwister-Scholl-Gymnasiums.
„Die Stadt war nicht ein Ort, an dem unterschiedliche Menschen nebeneinander leben. Sie war ein Ort, an dem sie miteinander etwas taten. Die eigentümliche, euphorische Atmosphäre dieses Abends lässt sich schwer beschreiben. Man musste dabei sein. Menschen blieben stehen, gingen mit, sangen, klatschten. Chöre wuchsen über sich hinaus. Fremde Menschen fanden denselben Rhythmus“, so der Künstler Lutz-Rainer Müller und Musikerin Nici Palm,die Initiatoren des Projekts.
Für einen Moment war die Stadt voller Einigkeit. Keine Harmonie, sondern Vielstimmigkeit, die zusammenhielt. Denn die Frage von „STIMMEN“ war letztlich eine sehr einfache: Wie kann eine Stadt mit all ihren unterschiedlichen Erinnerungen, Ängsten, Hoffnungen und Widersprüchen wieder miteinander ins Gespräch kommen? Eine Antwort dauerte einen Abend. Vielleicht reicht das nicht. Aber vielleicht ist es ein Anfang. Fest steht, dass einige Narben der Stadt an diesem Abend mit neuen positiven Emotionen besetzt wurden. Die gemeinsamen Erlebnisse, die wochenlange Vorbereitung und die vielen Jam-Sessions im Vorfeld haben Momente der Ermutigung geschaffen, die über den Abend hinauswirken.
Quelle: RZZ-Pressemitteilung vom 14.10.2026









Fotos: Thomas Meyer



