Wie kann es gelingen, einen ehemaligen Gutshof zu einem lebendigen Treffpunkt der Dorfgemeinschaft zu entwickeln? Was genau fehlt im Ort, was wünschen sich die Menschen und woran würden sie gern selbst mitarbeiten?
Um diese Fragen drehte sich am 29. Januar 2026 der „AUFTAKT LANDKIEZ“ in Thondorf, zu dem die im NEB verbundenen Partner LandKiez e. V. und das Zentrum für Sozialforschung Halle e. V. (ZSH) auf den ehemaligen „Gutshof Weitzel“ geladen hatten. Trotz dichten Schneefalls waren dafür viele aus Thondorf und den anliegenden Ortschaften sowie am sachsen-anhaltischen NEB_PROZESS Interessierte auf den ehemaligen „Gutshof Weitzel“ gekommen.
Das Treffen war eingebettet in ein NEB_ONTOUR – ein Format, das Idee, Expertise und Unterstützung zusammenbringt: Während der Fachexkursion gab es für die rund 60 Gäste vielfältige Gelegenheit, den Ort, Hof, Verein und das Projekt kennenzulernen. Anschließend präsentierte das hallesche ZSH die mit Spannung erwarteten Ergebnisse einer Dorfbefragung. Der Zwischenbericht ist ein avisierter Meilenstein des NEB_PROJEKTs „LandKiez Thondorf“, seit April 2025 Teil der sachsen-anhaltischen Landesinitiative „Gemeinsam für ein Neues Europäisches Bauhaus (NEB) #NeueBauhäusler“. Das Ziel: eine partizipativ angelegte Machbarkeitsstudie als Grundlage für die Schaffung eines offenen „Dritten Ortes“, der das dörfliche Gemeinschaftsleben nachhaltig bereichern will.
Während der winterliche Spaziergang insbesondere den Ortsfremden einen Eindruck vom Dorf, seiner Struktur und seinen gegenwärtigen Gegebenheiten vermittelte, schärfte sich dieses Bild während des Vortrags durch Isabel Müller vom ZSH zum Ergebnis der Dorfbefragung. Über die Hälfte der 109 Haushalte (52 %) hatten sich daran im Mai und Juni 2025 beteiligt. Im Fokus: lokale Bedarfe, dörfliche Identität und bestehende Netzwerke. Das Fazit: „Einerseits werden existierende Begegnungsorte wie der Schenkplatz sowie das hohe Maß an privatem und ehrenamtlichem Engagement zur Gestaltung und Pflege Thondorfs ausdrücklich positiv bewertet.“ Andererseits stehe der fortschreitende Verlust dörflicher Infrastruktur in der Kritik, insbesondere das Fehlen von Einkaufsmöglichkeiten, Gaststätten und weiteren sozialen Treffpunkten. Hoch aber sei der Stellenwert nachbarschaftlicher Verbundenheit und lokaler Zusammengehörigkeit und stark der ausgeprägte Wunsch nach der Wiederbelebung dörflicher Strukturen, die, so heißt es im Zwischenbericht „weniger an formale Verwaltungsprozesse als vielmehr an lokale Eigeninitiative und gemeinschaftliches Handeln geknüpft ist.“ Damit trifft der Verein LandKiez „auf ein soziales Umfeld, das partizipative, gemeinschaftsorientierte Begegnungsorte grundsätzlich unterstützt und aktiv mitgestalten möchte“, so Isabel Müller.
Und diesen Geist spürte man insbesondere in der sich anschließenden, vom NEB_NETZWERKBÜRO begleiteten Kreativwerkstatt. Während der inspirierenden Rundgänge auf dem weitläufigen Hofareal kamen vielfach Vorschläge auf den Tisch. Hoch im Kurs: Veranstaltungen von Tanz, Konzert und Theater bis Kino, das „Hofcafé“ als Nachbarschafts- und Jugendtreff, aber ebenso Kauf- und Verkaufsmöglichkeiten, Kreativangebote, eine Bibliothek oder Werkstätten. Die überraschendste Idee war aber die nach einer „Riesenschaukel“ in der großen Scheune. Vor allem sie mag symbolhaft für den gewünschten neuen Schwung im Ort stehen. Im März 2026 geht die Arbeit weiter. Eingeladen wurde schon jetzt zu den „GenerationenVisionen“, einem Mitmachangebot von Verein und ZSH für Jung und Alt.











