Durch das gemeinsame Wissen aller Beteiligten sollen neue Ideen und Lösungsansätze entstehen! Das war Zweck und Ziel des am 25. September 2026 im Rahmen des 4. NEB_MEETS PARTIZIPATIV eröffneten „Denksalons“ am Rande des OSTEN-Festivals in Bitterfeld-Wolfen. Aus den NEB_PROJEKTEN Sachsen-Anhalts waren rund 50 Vertreterinnen und Vertreter in das Mehrgenerationenhaus in Wolfen-Nord gekommen. Im Gepäck: ihre Erfahrungen bei der Umsetzung ihrer Ideen und eine große Portion Neugier verbunden mit der Frage „Wer steckt hinter den anderen Projekten im Land, wo gibt es ähnliche Herausforderungen, wo lassen sich Kräfte bündeln?“ Kurze Impulsvorträge zu den zentralen Themen „Aktivierung“ und „Verstetigung“ gaben die Denkanstöße für die sich anschließenden kleineren Gesprächsrunden. Hier wurde intensiv nachgefragt und nachgebohrt, debattiert und disputiert, am Ende die Essenzen zusammengetragen. Ein guter Tag für Wissensgewinn, Bestätigung und Ermutigung im NEB_NETZWERK Sachsen-Anhalt.
Die „Aktivierung“ stand im Mittelpunkt der ersten vier Impulse. Hier sprachen OSTEN-Festival-Kurator Martin Naundorf zu „Begeisterung wecken“, die Bauhaus Agentin vom Reallabor ZEKIWA Zeitz Isabell Wiehmert zu „Kinder und Jugendliche erreichen“, die Soziologin Isabel Müller vom Zentrum für Sozialforschung e. V. Halle (Saale) zu „Bevölkerung auf dem Land gewinnen“ im Zusammenhang mit dem NEB_PROJEKT LandKiez Thondorf sowie Prof. Nicole Uhrig von der Hochschule Anhalt zu „Co-Kreation initiieren und gemeinsam umsetzen“ mit Blick auf die NEB_PROJEKTE in Kleinpaschleben sowie Lutherstadt Eisleben. Die Teilnehmenden waren aufgefordert, sich danach für eines dieser vier Themen zu entscheiden und gemeinsam mit den Impulsgebern und moderiert durch das NEB_NETZWERKBÜRO in kleineren Zusammenkünften die Denkanstöße zu vertiefen.
Die Austausche in den Gruppen waren intensiv. Zur Auswertung kamen alle wieder zusammen und die Ergebnisse wurden vorgestellt. Hier einige der gemeinsamen Erkenntnisse aus Runde eins: Damit „Aktivierung“ funktioniert, darin waren sich alle einig, sollte das Projekt aus sich selbst heraus entstanden und nicht installiert worden sein: Bottom-up statt Top-down! Kooperationen mit bestehenden Institutionen vor Ort erweisen sich als wertvolle Grundlage für neue Impulse. Erwartungen wollen erfüllt, Ziele erreicht werden: Hier ist eine genaue Zielformulierung von ebenso großer Bedeutung wie das genaue Zuhören, um Impulse aufzugreifen. „Aufsuchende Formate“, also der direkte und Vertrauen bildende Kontakt wie etwa bei der Dorfbefragung beim LandKiez in Thondorf wurden als ein zentrales Momentum bei der Aktivierung herausgefiltert. Aber nicht weniger wichtig: der Spaß, die Freude und das „pure Glück“ des Erlebens von SELBSTWIRKSAMKEIT, bei dem der Einzelne – und insbesondere Kinder und Jugendliche jenseits von TikTok und Insta – etwas mit eigenen Händen schaffen, sich bei Kunst- und Kulturprojekten einbringen und mit Stolz ein sichtbares Ergebnis präsentieren kann.
Um das große Thema der „Verstetigung“ rankten sich die Impulse im zweiten Teil des Tages. Im Fokus die Frage: Wie hält man eine Initiative am Laufen, wenn der erste Enthusiasmus verflogen, die Förderung ausgelaufen, die Mitgliedschaft überaltert ist? Hierzu sprachen Johanna Voll, Projektleiterin der LEHM_BAU_KULTUR“ bei Schwemme e. V. zu „weitermachen“ sowie Burkhard Schmitt, Vorstandsvorsitzender und Direktor der Fürst-Otto-Victor-Stiftung Droyßig zum „Kulturvilla“-Projekt zu „fest verorten“. Andreas Witt vom Magdeburger Sanierungsverein Ravelin 2 hatte seine Präsentation zu „verjüngern“ geschickt.
Erkenntnisse hier: Wer an Traditionen im Ort und damit an schon bestehende Netzwerke anknüpft, findet zuverlässig jene wertvollen Multiplikatoren, die Verständnis und Toleranz für das Projekt verstärken und seinen Wert für die Gemeinschaft ideell und im besten Fall auch materiell mittragen. Die alte Weisheit: Nach der Förderung ist vor der Förderung zielt auf eine langfristige Sicht der Verankerung etwa in einer Vereinsstruktur. Aber Ehrenamt kann nicht alles schultern. Gezielt und frühzeitig nach finanziellen Absicherungen zu suchen, ist ein wichtiger, ein lebenserhaltender Aspekt. Gleichzeitig gilt es, sich vor kommerziellen Vereinnahmungen zu schützen. Davon berichtete Johanna Voll im Zusammenhang der nunmehr gut sichtbar voranschreitenden Sanierung des Schwemme-Gebäudes. Spannend war der Vorschlag, Projekte über gemeinsame Nutzungen vor Ort zu verstetigen, wie etwa über ein geplantes Energy Sharing im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung wie in Droyßig, von der Burkhard Schmitt berichtete. Die KOLLEKTIVE WIRKSAMKEIT stand jedenfalls im Zentrum der zweiten Zusammenfassung als wichtige Erfahrung bei der Verstetigung im Raum. Und das ist wohl auch das Rezept des Sanierungsvereins Ravelin 2, bei dem man in familiärer Atmosphäre gemeinsames Tun erleben, aber zugleich als inzwischen fester Bestandteil der Magdeburger Kulturlandschaft Erfolge feiern kann. Ganz ähnlich beim OSTEN, dem Festival für Kunst und gegenseitiges Interesse, zu dem die „Salondenker“ im Anschluss pilgerten. Der Jugendclub 83 e. V. präsentierte „Zwischen Platte und Perspektive“ seinen Stadtteil Wolfen-Nord, lud zur Popcorn-Orakel-Perfomance und einem Familien-Spektakel ein.
Text: Cornelia Heller im Auftrag NEB_NETZWERKBÜRO Sachsen-Anhalt









