NEW bauhaus 2026 in Weimar

Agora, Werk- und Denkraum

NEW bauhaus in Weimar vereinte am 2. und 3. September 2026 bereits zum vierten Mal die Formate Fachkongress, Messe und Festival am Gründungsort des historischen Bauhauses. Vordenkerinnen und Vordenker, Unternehmen, Kreative und Entscheidungsträger kamen zusammen, um sich in bewegten Zeiten über die Wege zu einer zukunftsfähigen, ästhetisch anspruchsvollen und ressourcenschonenden gebauten Welt auszutauschen, dabei voneinander zu lernen – und zu ermutigen! Bauhaus eben: Aufbruch, Interdisziplinarität und Mut zur Zukunft.

Klimawandel, Ressourcenknappheit, digitale Transformation. Die gebaute Umwelt steht vor einer herausfordernden Zukunft. Wie soll eine Welt aussehen, in der sich Umbrüche immer schneller vollziehen? Wie wollen wir unser Umfeld gestalten und bauen und wie in ihm leben? Was brauchen Menschen wirklich? Und welche Technologien helfen? – sind die Fragen, die allerorts rund um das Bauen diskutiert werden, so auch beim NEW bauhaus 2026, mit weit über 400 Teilnehmenden, mehr als 60 Beiträgen und über 90 Akteuren, Rednerinnen und Rednern aus Bau- und Immobilienwirtschaft, Politik, Wissenschaft, Handwerk, Architektur, Planung und Kultur und mit dabei: #NeueBauhäusler aus Sachsen-Anhalt. Ihre Eindrücke:

Johanna Voll, LEHM-BAU-KULTUR in der „Schwemme“, Halle (Saale)

„Ich bin positiv überrascht! Ich hatte nach einem Blick ins Programm mit den begleitenden Messe-Akteuren einige Zweifel, wie sich unser vergleichsweise kleines NEB_PROJEKT zwischen den großen etablierten Unternehmen und Sponsoren präsentieren würde. Aber das Interesse war groß und man kam schnell miteinander ins Gespräch. Wir sind dankbar für die Einladung an den Stand des NEB-Nationalen Kontaktpunkts bei der Bundesstiftung Bauakademie und vor allem für die Chance, Menschen für das Bauen mit Lehm begeistern und auf unsere „Schwemme“ als einen dieser gesellschaftlich wichtigen „Dritten Ort“ aufmerksam machen zu können. Ein Aspekt, den Zukunftsforscher Harald Welzer betonte: uns wieder auf das soziale Miteinander zu konzentrieren! Ich habe mich mit unserem Engagement wertgeschätzt und gesehen gefühlt! Dritte Orte wie die „Schwemme“ in Halle (Saale) bieten Raum für konsumfreies, zweckfreies, niedrigschwelliges und echtes menschliches Miteinander, für soziale Interaktion. Einfach zusammenkommen, gucken was passiert, auf den „glücklichen Zufall“ setzend. Ganz wie hier auf dem NEW Bauhaus-Festival, wo unser kleiner Messestand als ein temporärer ‚Dritter Ort‘ wirken konnte.“

v.l. Staatssekretär Dr. Olaf Joachim im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), Dr. Ing. Susanne Bartholomé, Johanna Voll, Abhinav Thakar, Nationaler Kontaktpunkt Neues Europäisches Bauhaus

Dr.-Ing. Susanne Bartholomé, Informations- und Kompetenzzentrum Hanf mit Erlebnispfaden in Mücheln/ Geiseltal

„Es ist gut, dass wir hier Sichtbarkeit für unser Projekt erreichen und das Thema Hanf mit seiner Vielfalt von Einsatzmöglichkeiten transportieren konnten. Und das neben den ‚Big Playern‘ der Wohnungsbaubranche. Unsere Berührungspunkte auf Messen sind sonst eher Forschungsstellen oder Kompetenzzentren sowie der Austausch mit jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Besuchende an unserem Stand waren oft überrascht, von der Vielseitigkeit des nachwachsenden Rohstoffs Hanf zu hören, und das auch in Verbindung mit zum Beispiel Lehm. Selbst Kontakt aufgenommen haben wir zum Start up „willowprint“, die aus nachhaltigen Rohstoffen Dinge in 3-D-Druck produzieren. Das ist für uns interessant, um Ähnliches aus Lehm und Hanf zum Beispiel für den Innenraum herzustellen. Das ist Teil unseres NEB_PROJEKTs, das mit dem Aufbau eines Informations- und Kompetenzzentrums den alten, traditionsreichen Rohstoff Hanf in das Bewusstsein der Leute zurückholen wollen. Wir schließen damit eine Wissenslücke. Um sich zu neuen Ideen auf dem Baustoffmarkt auszutauschen, war des NEW bauhaus-Festival eine gute Plattform. Wir haben viele Gleichgesinnte getroffen.“

Pernille Weiss-Ehler, Mitglied des Kabinetts von EU-Kommissarin Jessika Roswall und dort Expertin für Wasserresilienz und die New European Bauhaus-Initiative, Sarah Reiche, Nationaler Kontaktpunkt Neues Europäisches Bauhaus, Dr. Ing. Susanne Bartholomé

Unter anderem gaben auf dem New bauhaus renommierte Experten wie Architekturvordenker und Ingenieur Prof. Werner Sobeck und Soziologe und Zukunftsdenker Prof. Harald Welzer wertvolle Denkanstöße. In ihrem Gespräch über die „Zumutung der Zukunft – Warum wir Veränderung wollen und sie gleichzeitig verhindern“ ging es um das zentrale Paradoxon des Menschen der modernen Welt: seinem Wunsch nach Fortschritt bei gleichzeitiger Angst vor dem Unbekannten.

Spannend: Als eine Lösung, die Transformation besser zu meistern, nahmen beide die „Dritten Orte“ in den Blick: „Wohnzimmer der Gesellschaft“ nannte sie Welzer  und berichtete von Futurzwei der Stiftung Zukunftsfähigkeit, einer Plattform mit Geschichten demokratischen Gelingens. Das könnte, so sein Dialogpartner Sobeck, einer dieser wichtigen Katalysatoren sein – wie die vielen Initiativen des Neuen Europäischen Bauhauses (NEB). Wie passend, dass sich genau so ein Vorhaben der sachsen-anhaltischen NEB-Landesinitiative #NeueBauhäusler auf der begleitenden Messe im Foyer auf Einladung des Nationalen Kontaktpunkts Neues Europäisches Bauhaus Deutschland / Stiftung Bauakademie präsentieren durfte: die „Schwemme“ aus Halle (Saale) mit ihrem NEB_PROJEKT LEHM-BAU-KULTUR (>> siehe Statement Johanna Voll). Hier schauten interessiert auch Staatssekretär Dr. Olaf Joachim im Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, sowie Pernille Weiss-Ehler, Mitglied des Kabinetts von EU-Kommissarin Jessika Roswall und dort Expertin für Wasserresilienz und die New European Bauhaus-Initiative der EU-Kommission, vorbei.

Im Programm über zwei Tage wurden in der Agora auf der 360-Grad-Bühne Vorträge und Dialoge geboten, parallel diskutierte man in Panels und tauschte sich auf der Messe zwischen Präsentationen und Ausstellungen aus. Im Mittelpunkt: die Transformation der Bauwirtschaft mit Digitalisierung, KI und Robotik, die Forderungen im Bauen mit einem „Zurück zum neuen Einfach“ mit Blick auf den Gebäudetyp E, ressourcen- und kreislaufgerechtes Bauen, zudem der dringende Bedarf an Entbürokratisierung, Reformen bei Förderprogrammen, „Das umkämpfte Zuhause: Wohnen nicht als Markt, sondern als Konflikt“ sowie – nachhaltige und alternative Baustoffe! Wie zum Beispiel Industriehanf als nachhaltige Ressource. Den hatte ein weiteres NEB_PROJEKT aus Sachsen-Anhalt auf die Messe und „zum Anfassen“ mitgebracht: das „Informations- und Kompetenzzentrum Hanf mit Erlebnispfaden“ in Mücheln/Geiseltal (>> siehe Statement Susanne Bartholomé).

„Neues Denken, neues Handeln“: Auf dem Podium der 360-Grad-Arena
 Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (2. v. r.) und Klimafolgenforscher Prof. Hans Joachim Schellnhuber (2. v. l.)

NEW bauhaus-Schlaglichter

Unter dem Titel „Neues Denken, neues Handeln“ war Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt im Gespräch mit dem Klimafolgenforscher Prof. Hans Joachim Schellnhuber zu erleben. Schellnhuber, Spiritus Rector der NEB-Initiative, stellte im Kontext aktueller Hitzetemperaturkurven das Konzept der „Wald-Bau-Pumpe“* vor und warb dafür, aktiv und gemeinsam am größten Zukunftsprojekt der Menschheit hin zu einer vollständig kohlenstofffreien und nachhaltigen Zivilisation zu arbeiten.

* Die „Wald-Bau-Pumpe“: Bäume nehmen durch Photosynthese CO2 auf und speichern ihn im Holz. Wenn Holz in langlebigen Bauwerken verwendet wird, bleibe der Kohlenstoff gebunden, während neue Bäume nachwachsen und weiteres CO2 absorbieren. Fazit: Kohlenstoff wird von den Wäldern in die gebaute Umwelt gepumpt.

„Zwischen digitalem Fortschritt und digitaler Realität“ hieß der engagierte Vortrag vom Publizisten und Internetunternehmer Sascha Lobo, der für den angstfreien Umgang mit KI warb und an den Tüftler- und Machergeist vergangener Epochen erinnerte. Mutiger und experimentierfreudiger müsse man in den Unternehmen werden, eine Kultur des Ausprobierens sich entfalten – auch mit Blick auf die Baustoffebene. Und: Das Gelingen der großen KI-Transformation wird eine Frage der Aus- und Weiterbildung sein.

Das Format der Thüringer Agentur für die Kreativwirtschaft „Neue Player auf der Baustelle“ gab fünf Kreativen 180 Sekunden Zeit zu zeigen, was passiert, wenn Design und Kunst Teil von Planungsprozessen sind. Bestehendes hinterfragen, Planungslogik unterbrechen und die Menschen, die es betrifft, wertschätzend einbeziehen. Wie im Falle des Architekturbüros TAKTAK, die das Trojanische Pferd in den öffentlichen Raum stellen, um kreative Beteiligung an Planungsprozessen zu schaffen oder Auseinandersetzung mit und Aneignung von Stadtteilen: wie den Kiosk des Unwissens zur Kulturhauptstadt Chemnitz.

v.l. Christian Hartwig, Architekt für das Projekt Schwemme e.V.; Sarah Reiche, Nationaler Kontakt Punkt NEB; Dr. Ing. Susanne Bartholomé Projektleitung Informations- und Kompetenzzentrum Hanf mit Erlebnispfaden; Johanna Voll Projektleitung LEHM-BAU-KULTUR, Schwemme e.V.; Dr. Elena Wiezorek, Direktorin Bundesstiftung Bauakademie; Architektin Petra Alten, Referentin und Baudirektorin im BMWSB; Abhinav Thakar, Nationaler Kontakt Punkt NEB

alle Fotos © Conni Heller