Mammutprojekt mit Ansage: Von der Stasizentrale zum Kulturort

Der Gebäudekomplex der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung in Halle (Saale) soll ein Kulturort werden! Das ist das Anliegen des NEB_PROJEKTS „Gemeinschaftsamt – Kulturfabrik 5.0“. Staatsminister und Minister für Kultur Rainer Robra übergab dafür am 3. August 2026 in Halle-Neustadt und unmittelbar vor der ehemaligen Stasi-Zentrale die Förderbescheide an die drei im NEB verbundenen Partner Peißnitzhaus e. V., Kulturbühne Neustadt e. V. sowie losmachen e. V. Rund eine Million Euro aus dem europäischen Fonds für einen gerechten Übergang“ (Just Transition Fund – JTF) stehen damit den engagierten Akteurinnen und Akteuren für die „Konzeptentwicklung einer gemeinwohlorientierten Revitalisierung“ des verfallenen Stasi-Geländes bis 2027 zur Verfügung. Rainer Robra betonte: „Mit der Übergabe der Zuwendungsbescheide setzen wir ein wichtiges Zeichen. Sachsen-Anhalt ist gekennzeichnet von Kreativität, Unternehmungsgeist und Geschichtsbewusstsein. Das zeigt sich bei der Gestaltung des Strukturwandels und ebenso bei der Realisierung dieses Projektes. Der Umbau unserer Gesellschaft ist eine Chance, und mit dem Vorhaben Gemeinschaftsamt ist die Gestaltung eines europäischen Leuchtturmprojektes möglich. Unser Land liegt eben nicht nur in Mitteldeutschland, sondern auch in der Mitte Europas.“

Dieser Ort, der einst für Bespitzelung und Unterdrückung durch die Staatssicherheit stand, zu einem offenen Begegnungs- und Kulturort sowie der gemeinschaftlichen Stadtentwicklung umzugestalten, sei sicherlich, so war es am Nachmittag der Förderbescheidübergabe vielfach zu hören, ein Mammutprojekt. Es liege jedoch auf zivilgesellschaftlich starken Schultern: mit der im September 2025 gegründeten „Gemeinschaftsamt gemeinnützigen eG“. In ihr widmen sich mit Mut und Zuversicht u. a. die NEB-geförderten Vereine der Revitalisierung des Areals. Sie wollen das rund 20.000 Quadratmeter große Areal mit dem siebengeschossigen Haupt- und dem zweigeschossigen Sozialgebäude sowie einer ganzen Reihe weiterer Häuser und Flächen perspektivisch für Projekte, Begegnung, Innovation und Zusammenarbeit öffnen und es dafür vom Land kaufen. Im NEB_FOKUS: eine Machbarkeitsstudie, die aufzeigt, wie der denkmalgeschützte Gebäudebestand ohne Abriss oder Neubau schrittweise für neue Nutzungen erschlossen werden kann.

Die Geschichte des Ortes soll dabei bewusst sichtbar bleiben. Als einst größte Bezirksverwaltung der Staatssicherheit erzählt das Terrain von der politischen Kontrolle der Arbeitswelt in der ehemaligen DDR sowie dem Werden Halle-Neustadts zu einer Arbeiterwohnstadt für die umliegenden Industriekomplexe. Zeitzeugenprojekte, wissenschaftliche Recherchen, Ausstellungen und Bildungsangebote wollen diese Historie in vielfachen Angeboten begleitend aufgreifen und sie mit den Fragen einer zukunftsfähigen Stadtgesellschaft verknüpfen. Es entsteht so ein neuer Verbindungsort, an dem Nachbarschaft, Kunst, Bildung, soziale Initiativen und gemeinwohlorientiertes Arbeiten zusammenfinden können: für Menschen unterschiedlicher Generationen, Lebenswelten und kultureller Hintergründe. Und genau sie alle sind gefragt bei der gemeinsamen Suche nach zukünftigen und vor allem tragfähigen Nutzungskonzepten für das Gebäudeensemble unter Federführung des Gemeinschaftsamts – ganz nach den Werten des NEB: SCHÖN. NACHHALTIG. GEMEINSAM.

Mehr Informationen zum Gemeinschaftsamt finden Sie hier.

Copyright: Amer Menzaljy
Copyright: Amer Menzaljy