Projektname:

Gemeinschaftsamt — Kulturfabrik 5.0

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Projektdetails:
Verbundpartner:
1. losmachen e.V.
2. Peißnitzhaus e.V.
3. Kulturbühne e.V.
Art des Projekts:
Phase 0 / Konzeptentwicklung für gemeinwohlorientierte
Grundstücksgröße: 20.000 qm
Projektlaufzeit: 2026 – 2027
Kontakt:
Ulrich Möbius, E-Mail: ulrich.moebius@peissnitzhaus.de
Telefon: 03 45 / 2 39 46 66
Olaf Brand, E-Mail: olaf.brand@kulturbuehne-neustadt.de
Telefon: 0157 / 55 17 61 07
Dörte Jacobi, E-Mail: hallo@losmachen.org
Telefon: 0176 / 83 10 89 43

Projektbeschreibung

Mit dem NEB-Projekt: „Gemeinschaftsamt – Kulturfabrik 5.0“ wird der Gebäudekomplex der ehemaligen Stasi-Bezirksverwaltung in Halle (Saale) zu einem offenen Ort für Begegnung, Kultur und gemeinschaftliche Stadtentwicklung weiterentwickelt. Zwischen Halle-Neustadt, Heide- und Weinbergcampus, Burg Giebichenstein und der Peißnitz entsteht ein neuer Verbindungsort, an dem Nachbarschaft, Kunst, Bildung, soziale Initiativen und gemeinwohlorientiertes Arbeiten zusammenfinden.

Der denkmalgeschützte Gebäudebestand mit rund 20.000 Quadratmetern Bruttogrundfläche wird ohne Abriss oder Neubau schrittweise für neue Nutzungen erschlossen.

Die Geschichte des Ortes bleibt dabei bewusst sichtbar. Als ehemalige Bezirksverwaltung der Staatssicherheit erzählt das Gebäude von der politischen Kontrolle der Arbeitswelt in der DDR und von der Entwicklung Halle-Neustadts als Industriestadt. Zeitzeugenprojekte, wissenschaftliche Recherchen, Ausstellungen und Bildungsangebote greifen diese Geschichte auf und verbinden sie mit den Fragen einer zukunftsfähigen Stadtgesellschaft.

Projektziele

Durch das Netzwerk des Gemeinschaftsamts wurde in einer eigens durchgeführten Erhebung ein struktureller Mangel an bezahlbaren Räumen für Kunst, Kultur, Bildung, soziale Initiativen und gemeinwohlorientierte Unternehmen in Halle festgestellt. Dem begegnet das Projekt mit dem Ziel, einen dauerhaft zugänglichen und gemeinschaftlich getragenen Ort zu schaffen, der nachhaltig diesen Mangel verringert. Gleichzeitig soll ein Ort entstehen, der Halle-Neustadt mit der Innenstadt verbindet und Menschen unterschiedlicher Generationen, Lebenswelten und kultureller Hintergründe zusammenbringt.

Ein wesentliches Anliegen des Projekts ist es, die Stadtgesellschaft aktiv an der Entwicklung ihres Lebensumfeldes zu beteiligen. Gemeinsam mit Einwohnerinnen und Einwohnern, Vereinen, Kulturschaffenden, Wissenschaft und Verwaltung werden tragfähige Konzepte für die zukünftige Nutzung des Gebäudes entwickelt. Die genossenschaftliche Betreiberstruktur schafft dafür langfristig verlässliche Rahmenbedingungen und ermöglicht eine dauerhafte, gemeinwohlorientierte Nutzung. Der Umsetzungsplan orientiert sich an dem Werkzeugkasten für NEB_PROJEKTE, der mit vielen Praxisbeispielen und Methoden Hilfestellung für die einzelnen Projektphasen gibt.

Die denkmalgeschützte Bausubstanz soll nach dem Prinzip der minimalinvasiven Sanierung instandgesetzt werden. Mit dem Ziel historische Authentizität zu bewahren und gleichzeitig moderne Standards in Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Nutzungskomfort umzusetzen. So wird ein historisch bedeutsamer Ort zu einem lebendigen, inklusiven und ökologisch verantwortungsvollen Teil der Stadt. Das Gemeinschaftsamt schließt damit eine Lücke: Es verknüpft die Aufarbeitung der DDR-Industriekultur mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen und trägt zur langfristigen Sicherung industriekultureller Zeugnisse bei — nicht als museales Relikt, sondern als aktiver, gestaltbarer Ort von und für die Stadtgesellschaft.

Projektimpressionen

Kriterien nach dem NEB_Kompass

Ambition II: verbinden
Ziel: Das Gemeinschaftsamt wird zum katalytischen Ort, der historische Abgrenzungen zwischen Halle (Saale) und Halle-Neustadt überwindet — durch sinnliche, partizipative und identitätsstiftende Gestaltung.

Schwerpunkte:
  • Aktivierung des historischen Ortes: Nutzung des denkmalgeschützten Gebäudes als symbolträchtige Schnittstelle: Kulturelle Veranstaltungen und Ausstellungen machen die Architektur und Geschichte erlebbar und verwandeln den Ort in einen gegenwarts- und zukunftsrelevanten Begegnungsraum.
  • Sensorische und inklusive Ästhetik: Begehung und Erkundung des Geländes (visuell, auditiv, taktil), um eine anregende, Wohlbefindens fördernde Umgebung zu definieren. Kooperation mit den ansässigen Hochschulen zur Nutzungsästhetik der Ostmoderne und kunstpädagogischen Forschungsansätzen.
  • Gemeinschaftsbildung & Netzwerkaufbau: Bottom-up-Formate (Nachbarschaftstreffen, mobile Mitmachwerkstätten, DIY-Infrastruktur) ermöglichen Selbstwirksamkeitserfahrungen und schaffen stadtteilübergreifende Bindungen. Regelmäßige Öffnungszeiten und niedrigschwellige Angebote fördern Offenheit, Fürsorge und interkulturellen Austausch.
  • Kulturelle Werte & wirtschaftliche Alternativen: Etablierung einer Kultur des Engagements durch Tauschen, Teilen und Upcycling. Das Projekt wird zum Modell für alternative Wirtschaftsweisen und nachhaltiges Leben in Sachsen-Anhalt.

Wirkung im Sinne des NEB: Das Vorhaben schafft qualitative Aufenthalts- und Gestaltungsmöglichkeiten, die milieuübergreifende Verbindungen stärken und das Image Halle-Neustadts positiv prägen. Durch die Verknüpfung von Erinnerungskultur und Zukunftsgestaltung entsteht ein übertragbares Modell für die aktivierende Stadtentwicklung.
Ambition I: umfunktionieren
Ziel: Die Machbarkeitsstudie entwickelt ein ressourcenschonendes, kreislauforientiertes Nutzungskonzept, das ohne voreilige bauliche Investitionen klare Wege für eine spätere, klimagerechte Umsetzung aufzeigt.

Schwerpunkte:
  • Bestandsaktivierung & Synergien: Systematische Erfassung und Analyse bestehender Räumlichkeiten, Leerstände (z.B. Container, Lagerhallen) und Kooperationsmöglichkeiten mit lokalen Entsorgungsunternehmen, um Doppelnutzungen zu vermeiden und Materialkreisläufe zu schließen. Beispiel: Nutzung von Schiffcontainern oder Bauwägen als temporäre Räume für Aktivitäten vor Ort, wie Nachbarschaftstreff, Symposien oder Kulturveranstaltungen.
  • Flexible Raumkonzepte: Entwicklung modularer, anpassbarer Nutzungsmodelle (z.B. mobile Einheiten, multifunktionale Grundrisse), die spätere Umnutzungen oder Verlegungen ermöglichen. Bedarfsermittlung für verschiedene Nutzungsformen (Kultur, Bildung, Handwerk) sichert langfristige Anpassungsfähigkeit.
  • Nachhaltige Material- und Energiegrundlagen: Prüfung von recyclingfähigen, CO²-speichernden Materialien (Holz, Lehm, Stroh, Recyclingbaustoffe) und erneuerbaren Energien (Photovoltaik) für spätere Bauvorhaben. Skizzierung eines Klimakonzepts, das durch minimalinvasive Eingriffe eine positive CO²-Bilanz anstrebt.
  • Partizipative Ressourcenplanung: Einbindung von Einwohner:innen, Handwerk und Wissenschaft in die Erarbeitung von kooperativen Materialnutzungsstrategien (Wertstoffhöfe, Leihsysteme) und die Identifikation lokaler Synergien.

Wirkung im Sinne des NEB: Das Konzept leistet einen Beitrag zu Ressourcenschonung (Nutzung von Bestandsflächen), Klimaschutz (Grundlagen für CO²-positive Lösungen) und gesellschaftlicher Transformation (Befähigung zu nachhaltigem Handeln). Ergebnis ist ein umsetzungsreifes Nachhaltigkeitskonzept, das als Blaupause für ähnliche Projekte dienen kann.
Ambition III: transformieren
Ziel: Das Gemeinschaftsamt wird zum Vorreiter für inklusives Zusammenleben, das überholte Gesellschaftsmodelle aufbricht und Diversität als Stärke sichtbar macht.

Schwerpunkte:
  • Barrierefreiheit & Zugänglichkeit: Physische und kommunikative Barrieren werden abgebaut: barrierearme Infrastruktur, leichte Sprache, mehrsprachige Materialien, Audiovisuelle Kommunikation und kostenfreie Kinderbetreuung ermöglichen allen Gruppen die Teilhabe.
  • Soziale Gerechtigkeit & Empowerment: informelle Lernformate (Wissenstransfer, Perspektivwechsel) und interkulturelle Begegnungen fördern gegenseitiges Verständnis und abbauen von Vorurteilen. Junge Menschen, Eltern, Neubürger:innen und sozial benachteiligte Gruppen werden gezielt einbezogen.
  • Gesellschaftliche Transformation: Das Vorhaben lebt Solidarität und gemeinwohlorientiertes Handeln vor, als inspirierendes Vorbild für Halle und die Region. Durch diverse, niedrigschwellige Angebote (Nachbarschaftstreffs, AG-Struktur, Freiräume) entsteht ein neues Narrativ des Zusammenlebens, das Diskriminierung thematisiert und kollektive Handlungsfähigkeit stärkt.

Wirkung im Sinne des NEB: Das Gemeinschaftsamt wird zum Labor für neue Formen des Miteinanders: Es zeigt, wie inklusive Strukturen (von der Kinderbetreuung bis zu partizipativen Entscheidungsprozessen) gesellschaftliche Ungerechtigkeiten adressieren und langfristige Gemeinschaftsbildung fördern.
Ambition III: selbststeuernd
Ziel: Das Gemeinschaftsamt entwickelt dauerhafte Strukturen, die Basisinitiativen stärken und schrittweise Verantwortung an die Gemeinschaft übertragen — bis hin zur Selbstverwaltung.
  • Regelmäßige, niedrigschwellige Formate wie Mitmachwerkstätten in allen Stadtteilen und Nachbarschaftstreffs vor Ort schaffen Räume für Ideen, Bedarfe und Bedenken. Diese sind dynamisch und durchlässig gestaltet (z. B. mobile „Ideenboxen“, digitale Plattformen), um möglichst viele Perspektiven einzubeziehen.
    • Beispiel: regelmäßige Nachbarschaftstreffs mit wechselnden Schwerpunkten (z.B. Raumgestaltung, Programmplanung).
    • Erfolgsindikator: Mindestens 30% der Teilnehmenden kommen aus Gruppen, die bisher nicht an Planungsprozessen beteiligt waren.
  • Aktive Mitgestaltung wird durch ko-kreative Arbeitsgruppen ermöglicht, die konkrete Projekte umsetzen (z.B. Gestaltung eines Gemeinschaftsgartens, Organisation von Veranstaltungen).
    • Strukturen für Verantwortungsübergabe:
      • soziokratisch organisierte Arbeitsgruppen die sich regelmäßig offen vor Ort treffen
      • Qualifizierung von Mitarbeitenden der AGs aus dem Quartier, die später die Moderation übernehmen.
      • Rechtliche Absicherung durch die Genossenschaftsstruktur: Mitglieder erhalten Stimmrecht und können eigene Projekte einbringen.
  • Rechtliche Verantwortung: Die Genossenschaft ermöglicht kollektive Eigentümerschaft und demokratische Entscheidungsprozesse.

Wirkung: Das Projekt wird zum „Schulungsort für Selbstorganisation“ — ein Modell, das zeigt, wie Partizipation in echte Mitbestimmung übergeht.
Ambition II: ebenen-übergreifend arbeiten
Ziel: Das Gemeinschaftsamt wirkt lokal transformativ und überregional inspirierend — durch gezielte Vernetzung und Skalierung erfolgreicher Ansätze.

Maßnahmen:
  • Lokal arbeiten: Fokus auf Halle-Neustadt mit engen Kooperationen zu:
    • Lokalen Akteur:innen (Vereine, Denkmalpflege, Behörden) für die Umsetzung vor Ort.
    • Nachbarschaftsnetzwerken (z.B. „Halle-Neustadt aktiv“, Kiezkonferenz), um Bedarfe direkt zu erfassen und Lösungen gemeinsam zu entwickeln.
    • Beispiel: Gemeinsame Kampagnen mit Schulen, Kirche, Moscheen und Seniorenzentren, um diverse Gruppen einzubinden.
  • Ebenen-übergreifend arbeiten: Strategische Partnerschaften auf regionaler,nationaler und europäischer Ebene:
    • Regional: Austausch mit ähnlichen Projekten in der Region (z.B. „Kulturfabrik Hoyerswerda“, Zentralwerk Dresden, Kulturquartier Erfurt) zu Finanzierungsmodellen und Beteiligungsformaten.
    • National: Kooperation mit der Montag Stiftung Urbane Räume für Wissenstransfer zu partizipativer Stadtentwicklung.
    • Europäisch: Teilnahme am NEB-Netzwerk, um Erfahrungen mit Projekten wie „Superuse Studios“ (NL) oder „ZK/U Berlin“ zu teilen. Teilnahme an Treffen des Trans Europe Halles Netzwerkes mit dem Ziel Bestandteil dieses zu werden
    • Konkrete Aktivitäten:
      • “Festival Industriekultur 5.0” mit Gästen aus anderen Städten.
      • Dokumentation als Open-Source-Toolbox (z.B. Leitfaden „Wie aktiviert man Leerstände?“) im Rahmen der Machbarkeitsstudie.
    • Einfluss auf verschiedenen Ebenen:
      • Lokal: Direkte Verbesserung der Lebensqualität (z. B. durch neue Begegnungsorte).
      • Regional/National: Politische Empfehlungen für partizipative Stadtentwicklung (z. B. Input für Landesförderprogramme).
      • International: Präsentation auf Konferenzen (z.B. EU Urban Agenda, Trans Europe Halles Conferenze #101 und #103).

Wirkung: Das Vorhaben wird zum „Brückenbauer“ zwischen lokaler Praxis und überregionaler Politik — und zeigt, wie Bottom-up-Initiativen systemische Veränderung anstoßen können.
Ambition III: ‘über’ disziplinär
Ziel: Durch die Verzahnung von Fachwissen, Alltagserfahrung und künstlerischer Praxis entstehen innovative, ganzheitliche Lösungen — und neues Wissen, das allen Zugute kommt.

Maßnahmen:
  • Interdisziplinäre Arbeitsgruppen: Teams aus Akademiker:innen, Künstler:innen, Handwerker:innen, Anwohner:innen und Historiker:innen arbeiten an konkreten Aufgaben z. B.:
    • „Geschichte & Zukunft“ — Wie lässt sich die Stasi-Vergangenheit produktiv in die Nutzung einbeziehen?
    • „Material & Kreisläufe“ — Entwicklung nachhaltiger Bau- und Nutzungslösungen.
    • Entwicklung gemeinsamer Lösungsansätze von Anwohnenden und akademische Expertise durch NEB-Werkzeuge wie Biodiversitätsbewusstes Stadtdesign, Sinnesspaziergang für kreative und integrative Ortsgestaltung, Maßgeschneiderte Vorträge zur Demonstration von Schönheit und Nachhaltigkeit, Co-IMPACT Werkzeug
  • Wissensintegration:
    • Festival Industriekultur 5.0 mit Workshops zu Partizipation, Denkmalschutz und Sozialraumgestaltung und einem Symposium zur “Nichtsanierung” von Bauten der Ostmoderne.
    • Dokumentation als „Living Archive“ (Online-Plattform mit Projektfortschritten, Interviews, Bauanleitungen).
  • Einbindung nicht-formaler Expertise:
    • Zeitzeugenaufruf: Menschen aus dem Quartier dokumentieren lokale Geschichten.
    • Kollaborative Forschung mit den ansässigen Hochschulen und Forschungsinstitutionen zu Nutzungsästhetik und Materialinnovationen.
  • Intensität der Kommunikation: Regelmäßige Reflexionsrunden (alle 3 Monate) und öffentliche Präsentationen der Ergebnisse.
  • Neues Wissen: Entstehung einer Machbarkeitsstudie, welche auch als „Handbuch für transdisziplinäre Quartiersentwicklung“ genutzt werden kann, dass Praktizierende und Wissenschaft verbindet.
  • Integration der Ergebnisse:
    • Physische Umsetzung (z. B. Kunstinstallationen, Freiraumausstellungen)
    • Digitale Verbreitung (z.B. digitales Gemeinschaftsamt)

Wirkung: Das Vorhaben schafft „hybride Wissensräume“, in denen theoretische Konzepte und praktische Lösungen verschmelzen — und neue Standards für partizipative Stadtentwicklung setzen.
NEB Kompass Gemeinschaftsamt
So funktioniert der
NEB-Kompass (PDF)

Durchführung

Verwendete Tools mit Darstellungen des Arbeitsprozesses

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