Projektname:

Am Eisernen Band – Industriekultur von Halle (Saale) bis zum Brocken

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Projektdetails:
Verbundpartner:
1. KulturErbe Mansfeld-Saaletal e.V.
2. Freunde der Halle-Hettstedter Eisenbahn e.V.
Art des Projekts:
Sicherung Lokbehandlungsschuppen der Bahnhofsanlage Gerbstedt / Vernetzung industriekultureller und kulturhistorischer Orte / regionale Identität / Bildungsangebot / Tourismus
Grundstücksgröße: 12.167 qm
Projektlaufzeit: 2026 – 2027
Kontakt:
Ringo Skibbe

Projektbeschreibung

Das ‚Eiserne Band‘ führt entlang von sieben denkmalgeschützten Eisenbahnstrecken zwischen Halle (Saale) und dem Harz: der Halle-Hettstedter Eisenbahn, der Mansfelder Bergwerksbahn, der Wipperliese, der Parkeisenbahn Vatterode, der Rübelandbahn sowie den Harzer Schmalspurbahnen mit Selketal-, Harzquer- und Brockenbahn. Die Bahnstrecken bilden das Rückgrat einer Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte durch Bergbau und Hüttenwesen geprägt und in der Zeit der Industrialisierung über diese Eisenbahnlinien erschlossen wurde.

Mit dem Ende von Bergbau und Hüttenwesen sind zahlreiche Zeugnisse der regionalen Industriekultur in den vergangenen Jahrzehnten verloren gegangen. Viele Einzelakteure in der Region bemühen sich um den Erhalt der noch bestehenden Artefakte der Industriegeschichte. Das Projekt macht die Geschichte und Gegenwart dieser Landschaft wieder sichtbar und erlebbar. Entlang der denkmalgeschützten Eisenbahnstrecken des Eisernen Bandes werden bestehende Kultur- und Erinnerungsorte und Akteursgruppen miteinander vernetzt und durch digitale sowie analoge Angebote ergänzt.

Projektziele

Das Projekt verfolgt das Ziel, das materielle und immaterielle Erbe der Industriekultur zwischen Halle (Saale) und dem Brocken zu bewahren, zu erforschen und für kommende Generationen zugänglich zu machen. Historische Orte, technische Denkmale und die Geschichten der Menschen sollen als Teil einer gemeinsamen regionalen Identität sichtbar werden.

Geplant ist der Aufbau einer Netzwerkstelle, die als Ankerpunkt und Drehscheibe funktioniert zwischen den vielen Engagierten, den bestehenden Institutionen und auch geplanten Projekten, wie das Zukunftszentrum Halle.

Ein Teil der Förderung deckt die Weiterentwicklung der App und der Website Am Eisernen Band ab, und zielt auf die Entwicklung touristischer Erlebnisrouten sowie neuer Formate, die historische Eisenbahnfahrzeuge, Busse und industriekulturelle Standorte miteinander verbinden wird.

Die bauliche Sicherung sowie die Entwicklung des Sanierungsplanes des Lokschuppens in Gerbstedt ist ein weiterer Schwerpunkt des Projektes. Das künftige Begegnungs-, Informations- und Dokumentationszentrum wird ein zentraler Anlaufpunkt, an dem Wissen gebündelt, Netzwerke gestärkt und die vielfältigen Angebote der Industriekulturregion gemeinsam präsentiert werden können. Auf diese Weise entsteht ein lebendiges Netzwerk, das Vergangenheit bewahrt und zugleich Impulse für die zukünftige Entwicklung der Region setzt. 

Am Eisernen Band versteht Industriekultur dabei nicht nur als Erinnerung an die Vergangenheit, sondern als Ressource für die Zukunft. Das Projekt schafft Verbindungen zwischen Kultur, Bildung, Tourismus und bürgerschaftlichem Engagement und macht die Transformationsgeschichte der Region als lebendigen Teil ihrer Gegenwart erfahrbar.

Projektimpressionen

Kriterien nach dem NEB_Kompass

Ambition III: integrieren
Im Zentrum des Vorhabens steht die Netzwerkarbeit, die Akteure der Industriekultur über gemeinsame Arbeit und öffentlich nutzbare Resultate wie Erlebnisrouten und die Erlebnis-Card miteinander verbindet. Teilnehmende hinterfragen dabei ihre Le-bensweise, indem sie das industriekulturelle Erbe ihrer Region als Teil der eigenen Biografie und Identität neu deuten und Transformationsprozesse von Vergangen-heit, Gegenwart und Zukunft bewusst nachvollziehen – etwa entlang der Parcours des Zukunftszentrums für Deutsche Einheit und europäische Transformation in Hal-le (Saale) mit dem BIDZ Gerbstedt als zentraler Anlaufstelle. Neu gestaltet wird die Lebensweise konkret über nachhaltige Mobilitäts- und Freizeitentscheidungen, et-wa die Nutzung von ÖPNV-gestützten Erlebnisrouten anstelle des Individualver-kehrs, sowie über den Wechsel von passivem Konsum zu aktivem bürgerschaftli-chem Engagement. Als neue, erfüllende Gewohnheiten entstehen der regelmäßige Erfahrungsaustausch und die Teilnahme an Ideenwerkstätten im Begegnungs-, In-formations- und Dokumentationszentrum (BIDZ), das ehrenamtliche Mitwirken an Erhalt und Vermittlung der Denkmale sowie das wiederkehrende Entdecken bis-lang unbekannter Orte des Eisernen Bandes. Diese Gewohnheiten bilden sich durch Verlässlichkeit und niedrige Zugangsschwellen: turnusmäßige Treffen, digita-le Formate, World Cafés und Sonderfahrten schaffen wiederkehrende Anlässe, die Zugehörigkeit stiften und Fürsorge für alle Beteiligten organisieren. Künftige Be-dürfnisse der Nutzer werden systematisch mitgedacht, indem das BIDZ als außer-schulischer Lernort Kinder und Jugendliche – in Kooperation mit dem Berufsbil-dungszentrum Halle und dem Saline Technikum Halle – an sich wandelnde Ar-beitswelten und zukunftsorientierte Berufsbilder heranführt und so die Berufswahl erleichtert. Langfristig wird dieser Bedarfsabgleich über Umfragen bei Bewohnern, BIDZ-Besuchern und Teilnehmern der Sonderfahrten, halbjährliche Informations-veranstaltungen mit Evaluierung sowie die flexible Anpassung der Netzwerkziele institutionell verankert und durch die gGmbH als dauerhafte Trägergesellschaft ab-gesichert. Der positive Einfluss auf das Leben der Teilnehmenden zeigt sich in ge-stärktem Identitätsbewusstsein, Heimatempfinden und gesellschaftlichem Zusam-menhalt unter dem Motto „DAS SIND WIR” – als Antwort auf den seit 1990 spürba-ren Identitätsverlust der Region. Verändert wird das Leben zudem durch gleichbe-rechtigte Mitwirkung ungeachtet von Herkunft, Alter oder Behinderung, durch die Aufwertung informellen Erfahrungswissens neben akademischer Forschung und durch audiovisuelle Zeitzeugenberichte, die generationenübergreifende Begeg-nung ermöglichen.
Ambition I: umfunktionieren
Mit der Nachnutzung des Lokschuppens wird ein leerstehendes historisches Ge-bäude erhalten und umfunktioniert. Die Planungen zur Sanierung des denkmalge-schützten Gebäudes sehen vor historische Baustoffe wieder zu verwenden. Weite-re, in den letzten Jahrzehnten aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwundene Zeugnisse des Bergbaus und des Hüttenwesens sollen im Rahmen des Projekts wieder „neu belebt“ werden. Darüber hinaus ist geplant, nachhaltige Dienstleistun-gen und Produkte zu entwickeln, die den Einwohnern und Gästen zeigen, welchen Einfluss die hiesige Industriekultur auf die Menschen und das Leben hatten. Im Rahmen der geplanten Erlebnisrouten sollen Individual- und Gruppenangebote geschaffen werden, die auch bestehende ÖPNV-Angebote nutzen. Umgekehrt könnte eine AEB-Buslinie auf einer Erlebnisroute in Ergänzung zum täglichen ÖPNV als ein zusätzliches Mobilitätsangebot entwickelt werden. Auch hier würden entsprechend der Kompetenzen Akteure eingebunden (z.B. öffentliche Nahver-kehrsbetriebe). Außerdem sollen mit entsprechenden Partnern (z.B. Hochschule Merseburg) die Möglichkeiten einer Nutzung der Geothermie unter Einbeziehung bergbaulicher Untertageanlagen geprüft werden.
Ambition II: konsolidieren
Sowohl allen interessierten Kooperationspartnern als auch den Einwohnern und Besuchern stehen die Mitarbeit und die Teilnahme ungeachtet von Geschlecht und Hautfarbe, ethnischer und sozialer Herkunft, Religion oder Weltanschauung (im Einklang mit unserem Grundgesetz), Fähigkeiten, eventueller Behinderung, Alter oder sexueller Orientierung offen. Die Einbeziehung von Minderheiten ist ausdrück-lich erwünscht. Ihre kulturelle Vielfalt wird als Bereicherung verstanden und ange-sehen. Diese Beteiligungsformate festigen die Verbundenheit in der Zivilgesell-schaft. In die Routen werden beispielsweise Fahrten „auf den Spuren Luthers“ wie auch „auf den Spuren jüdischen Glaubens“ einbezogen. Ungeachtet jeglicher ex-tern gegebenen Umstände und Einflüsse wird jedem die gleichberechtigte Mitarbeit an diesem Netzwerk angeboten. Ausdrücklich werden auch sich in der Minderheit befindliche Akteure und Menschen zur Mitarbeit aufgefordert. Grundsätzlich ist das Interesse am Netzwerk entscheidend. Das Einbringen von Menschen mit verschie-denen Lebenserfahrungen und Sozialisationen wirkt sich positiv auf das Voran-schreiten des Netzwerks und dessen Entwicklung aus, da dadurch Perspektiven eingebracht werden, die unter Umständen bisher als nicht relevant erschienen. Gemeinsam arbeiten alle Akteure zum Beispiel an einer umfangreichen Broschüre, welche die industriekulturellen Orte für die Öffentlichkeit aufbereitet darstellt. Die Zusammenarbeit auf touristischer Ebene bildet folglich die Ausgangsbasis für wei-tere strategische Überlegungen und die Erweiterung des Kreises der Mitwirkenden.
Ambition II: mitentwickelnd
Im Sinne eines partizipativen Ansatzes werden Einwohnerinnen und Einwohner, Vereine, Kulturakteure und Besucherinnen und Besucher aktiv in die Entwicklung der Planung für die Umsetzung des künftigen Begegnungszentrum und auch neuer Angebote eingebunden. Durch Ideenwerkstätten, Austauschformate und gemein-schaftliche Projekte entsteht ein Netzwerk, das regionale Verbundenheit stärkt und neue Perspektiven für eine nachhaltige Entwicklung eröffnet. Die Beteiligten sind der Motor des Netzwerks und werden gleichberechtigt in die Erarbeitung und Um-setzung der Zielsetzungen eingebunden. Als Gemeinschaft planen sie, entscheiden sie und setzen sie die Ziele des Netzwerks um. Über turnusmäßige Treffen, digitale Formate und weitere gängige Kommunikationsmittel ist eine wechselseitige Kom-munikation gewährleistet.

In Umfragen sollen auch die Bewohner der Region, Besucher des BIDZ und die Teilnehmer der Erlebnisrouten-Sonderfahrten einbezogen werden. Somit besteht ein Erfahrungsaustausch nicht nur unter den Akteuren selbst, sondern auch mit den Menschen vor Ort und den Nutzern der Angebote. Dies fördert die regionale Identi-tätsbildung. Die 2019 gegründete gGmbH soll dauerhaft Trägergesellschaft des Netzwerkes werden. Die hier künftig vertretenen Gesellschafter und Kooperations-partner sind sowohl Entscheidungs- als auch Verantwortungsträger und steuern gemeinsam die vom Netzwerk festgelegten Prozesse. Die beantragte Projektdurch-führung stellt den Beginn der Umsetzung des Netzwerkvorhabens dar. Dieser Pro-zess ist unbefristet und dynamisch. Die langfristige Weiterführung und Stärkung von Basisinitiativen soll aus dem geplanten Kooperationsbündnis heraus sichergestellt sein.
Ambition II: ebenen-übergreifend arbeiten
Über die Gebietskulisse „von Halle (Saale) bis zum Brocken“ werden die Stadt Halle (Saale), der Saalekreis, die Landkreise Mansfeld-Südharz und Harz sowie der südliche Salzlandkreis in die Arbeit einbezogen. Demnach arbeitet das Netzwerk lokal, wirkt aber in der benannten überregionalen Gebietskulisse. Als ein Projekt auf mehreren Ebenen verknüpft es lokale Netzwerke (z. B. Mansfelder Kupferspuren – Mitteldeutsche Straße der Braunkohle, Am Ei-sernen Band – Dampfbahn-Route Sachsen, Welterbe Montanregionen Westharz – Welterbe Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří), indem es über seine Gebietskulisse hinaus Korres-pondenzregionen einbindet und die Bündelung überregionaler Kompetenzen schafft.

So gehören zu den Mitgliedern der 2024 konstituierten AEB-Projektgruppe jeweils ein Vertreter der Dampfbahn-Route Sachsen sowie des Fördervereins Besucherbergwerk Fortuna e. V. Solms-Oberbiel.
Ambition III: ‘über’ disziplinär
Die Eisenbahninfrastruktur dient als Basis für eine sowohl interdisziplinäre als auch interkommunale bzw. regionale Kooperation zwischen verschiedenen Standorten der Industriekultur und darüber hinaus. Das Netzwerk plant, auf ausgewählten Rou-ten Prozesse der Transformation in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sicht- und erfahrbar zu machen. Dies ist mit Wissensbildung und Innovationskultur ver-bunden. Nicht-formale Wissenspartner sollen im Rahmen der regelmäßig im BIDZ geplanten Ideenwerkstätten fortlaufend in diesen Prozess einbezogen werden, so beispielsweise der Verein Mansfelder Berg- und Hüttenleute e. V. und der Verband Deutscher Ingenieure (VDI e. V.). Hier geht es thematisch um Bergbau und Hütten-wesen, Ingenieurtechnik, klimaneutrale Energienutzung und Umweltbildung. In die geplante Dokumentation im BIDZ werden audiovisuelle Zeitzeugenberichte inte-griert. Kooperative und dialogorientierte Formate sind geplant, bei denen Wissen nicht nur vermittelt, sondern auch erzeugt wird. Formalem und informellem Wissen wird bei der Entwicklung der Standortpotentiale (bspw. Erforschung geothermischer Nutzungsmöglichkeiten ehemaliger Bergbauanlagen unter Tage) der gleiche Wert beigemessen, denn Wissen aus Forschungsarbeit und Wissen aus jahrzehntelan-ger Berufs- und Vereinstätigkeit haben gleichermaßen Erkenntniswert. Mit der akti-ven Einbeziehung aller Wissensträger und der Formulierung gemeinsamer Ziele in Workshops werden praxisnahe und anwendungsorientierte Lösungen entwickelt. Das Netzwerk greift alle Disziplinen und informelles Wissen in der Region auf. Zwi-schen Branchen und Standorten entlang der Eisernen Bandes gab und gibt es mannigfache Querbezüge. Die verschiedenen Wissensbereiche zu verschmelzen, geschieht in der transdisziplinären Zusammenarbeit als kollaborativer Prozess. Ziel ist einen Think-Tank zu initiieren, der aus diesen großen Potentialen schöpft und vor Ort die Geschichte hoch innovativ und in gesellschaftlicher Breite getragen mit der Zukunft verbindet.
NEB-Kompass Am Eisernen Band
So funktioniert der
NEB-Kompass (PDF)

Durchführung

Verwendete Tools mit Darstellungen des Arbeitsprozesses

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