Projektname:

Heimatforschernetz Burgenlandkreis. Gemeinsam industrielle Überlieferung digitalisieren und erschließen

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Projektdetails:
Verbundpartner:
1. Förderverein zum Aufbau des Dokumentationszentrums IndustrieKulturlandschaft Mitteldeutschland e.V. (DOKMitt e.V.)
merve.luehr@dokmitt.de
2. Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V. (LHB)
palatini@lhbsa.de
Art des Projekts:
Professionalisierung Ehrenamtsstruktur/ kollektiver Wissensspeicher / Transformationsgeschichte
Grundstücksgröße:
Projektlaufzeit: 2026 – 2027
Kontakt:
Sabine Hollmann
Projektmitarbeiterin DOKMitt e.V.
Telefon: 0151 177 155 04,
Dr. Martin Ehrler
Projektmitarbeiter Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e.V.
Telefon: 0179 222 79 45,
E-Mail: ehrler@lhbsa.de

Projektbeschreibung

Der Burgenlandkreis ist bis heute stark von seiner braunkohleindustriellen Vergangenheit geprägt, doch viele Zeugnisse dieser Geschichte – Fotografien, Chroniken, Erinnerungen und Objekte – sind bislang weder systematisch erschlossen noch langfristig gesichert und drohen verloren zu gehen. Besonders sichtbar wird dies am umfangreichen, kaum bearbeiteten Fotobestand des Bergbaumuseums Deuben sowie an zahlreichen Orts- und Schulchroniken, die zentrale Einblicke in die sozialen und wirtschaftlichen Transformationsprozesse der Region seit dem 19. Jahrhundert geben. Gleichzeitig fehlt es an verlässlichen Strukturen, um dieses Wissen gemeinsam mit lokalen Akteurinnen und Akteuren zu sichern, zu erschließen und zugänglich zu machen – ein Bedarf, der auch von engagierten Heimatforschenden selbst klar formuliert wurde.

Hier setzt das Verbundvorhaben von Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. und DOKMitt e. V. an, indem es vorhandene Bestände, lokales Wissen und zivilgesellschaftliches Engagement zusammenführt und in eine gemeinsame Arbeitsstruktur überführt. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur die Digitalisierung von Materialien, sondern vor allem deren gemeinschaftliche Kontextualisierung: Historische Fotografien und Chroniken werden erschlossen, kommentiert und in größere Zusammenhänge eingeordnet, während zugleich ein Netzwerk entsteht, das den Austausch zwischen ehrenamtlich Forschenden, Institutionen und Öffentlichkeit stärkt. Analoge und digitale Formate greifen ineinander, sodass Wissen sowohl vor Ort als auch online gesammelt, überprüft und weiterentwickelt werden kann. Durch diese Verbindung von fachlicher Begleitung und bürgerschaftlicher Expertise entsteht ein offener Prozess, in dem das industriekulturelle Erbe nicht nur bewahrt, sondern neu lesbar und erfahrbar gemacht wird – als gemeinsame Ressource, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Region miteinander verbindet.

Projektziele

Kern des Projekts ist die systematische Erfassung, Digitalisierung und inhaltliche Erschließung eines umfangreichen Fotografiebestands des Bergbaumuseums Deuben mit rund 6.000 Objekten, die ein Jahrhundert Sozial-, Alltags- und Industriegeschichte von den frühen 1900er-Jahren bis in die 2010er-Jahre dokumentieren und als bedeutende visuelle Quelle dienen. Parallel dazu wird ein regionales Ehrenamtsnetzwerk aufgebaut und durch den Landesheimatbund Sachsen-Anhalt e. V. langfristig begleitet, das engagierte Bürger und Bürgerinnen aktiv in die Forschungs- und Erschließungsprozesse einbindet. Über analoge Formate wie Fotocafés sowie digitale Beteiligungsangebote in einem Citizen-Science-Portal bringen die Teilnehmenden ihr Wissen zu Motiven, Orten und Personen ein und tragen so zur kollektiven Wissensgenerierung und -sicherung bei. Ergänzend werden ausgewählte Ortschroniken digitalisiert und öffentlich zugänglich gemacht, während Schulungen in Methoden der historischen Forschung und Quellenerschließung – in Zusammenarbeit mit dem Förderverein DOKMitt e. V. – die Kompetenzen der Mitwirkenden stärken und eine qualitätsvolle Mitarbeit ermöglichen. Auf diese Weise entstehen neue Zugänge zum kulturellen Erbe, die nicht nur dessen Bewahrung sichern, sondern auch dessen gesellschaftliche Relevanz neu vermitteln, das Bewusstsein für den Wert regionaler Sammlungen schärfen und die aktive Mitgestaltung durch die Zivilgesellschaft fördern. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zu einer nachhaltigen, generationenübergreifenden Kulturpraxis, die Ästhetik, Wissenstransfer und soziale Teilhabe miteinander verbindet und die Industriekultur des Burgenlandkreises als lebendigen Bestandteil regionaler Identität erfahrbar macht.

Projektimpressionen

Kriterien nach dem NEB_Kompass

Ambition II: verbinden
Die ästhetischen Qualitäten liegen in der bewussten Gestaltung kollektiver Erinnerung, die möglichst die Sinne anspricht, Zugehörigkeit stiftet und kulturelles Erbe sichtbar macht. Sinnliche und emotionale Qualität: Die Digitalisierung historischer Orts- und Schulchroniken erschließen sinnlich erfahrbare Zeugnisse der regionalen Industriegeschichte. Sie fördern Identifikation, regen zum Entdecken an und machen Transformationen emotional nachvollziehbar. Erlebnis und Gemeinschaft: Das entstehende Ehrenamtsnetzwerk schafft Orte der Begegnung und des Austauschs — analog wie digital. Es verbindet Menschen unterschiedlicher Herkunft in einem gemeinsamen Erinnerungsprozess und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl durch aktives Mitgestalten. Gestaltung und kulturelle Werte: Das Projekt bezieht regionale Besonderheiten, Wissen und Perspektiven aktiv ein. Die gemeinschaftliche Erschließung historischer Quellen fördert neue Sichtweisen auf vertraute Orte und unterstützt eine dauerhafte, von unten getragene Erinnerungskultur mit ästhetischer, sozialer und kultureller Wirkung.
Ambition I: umfunktionieren
Durch Digitalisierung, Mehrfachnutzung (Daten, Texte, Bilder), modulare Ausstellungsformate und langlebige Printprodukte wird das Projekt ressourcenschonend konzipiert. Die Aufarbeitung analoger Materialien in neuen, digital-gestützten Vermittlungsformaten ermöglicht zugleich eine Bewusstseinsbildung für das lokale Kulturerbe – physisch (Archive, Bilder und mit ihnen verbundene Orte) wie ideell (Wissen, Narrative). Dies ist eine Voraussetzung für die zukünftige Reaktivierung räumlich-baulicher Substanz.
Ambition II: konsolidieren
Das Projekt schafft gleichberechtigte Teilhabe durch gezielte Aktivierung von Menschen unterschiedlicher Herkunft, verschiedener Altersgruppen und Qualifikationen und bezieht sie aktiv ein. Die Beteiligung erfolgt über Workshops, Netzwerktreffen sowie über die Nutzung der digitalen Plattform. Inklusion, gegenseitige Anerkennung und Empowerment sind tragende Prinzipien des Projektdesigns. Das Ehrenamtsnetzwerk wird bewusst so gestaltet, dass es physisch, kognitiv und sozial zugänglich ist und Barrieren für unterrepräsentierte Gruppen abbaut. So schafft es chancengleiche Teilhabe für alle Interessierten, unabhängig von Herkunft, Alter, Geschlecht oder weiteren Merkmalen. Durch niedrigschwellige Schulungen und die Möglichkeit der partizipativen Erschließung der Fotografien wird die Vielfalt der Kompetenzen wertgeschätzt und gefördert. Das Projekt legt Wert darauf Ressourcen zu teilen und langfristige Strukturen für einen offenen und gleichberechtigten Austausch zu schaffen. Indem professionelles und bürgerschaftliches Wissen zusammengeführt wird, fördert das Vorhaben neue Formen des Miteinanders, die Solidarität und gegenseitige Fürsorge stärken. Die digitale Plattform erhöht zudem die Zugänglichkeit auch für Menschen mit Einschränkungen oder aus entlegenen Regionen und macht unterschiedliche Perspektiven sichtbar. So trägt das Projekt nicht nur zur lokalen Erinnerungskultur bei, sondern setzt auch Impulse für ein inklusives, gemeinschaftliches Zusammenleben – ein Modell, das gesellschaftliche Barrieren abbaut und zukunftsfähige soziale Werte etabliert.
Ambition II: mitentwickelnd
Partizipation im Projekt erfolgt auf mehreren Ebenen und ist vor allem eng mit dem Aufbau des Ehrenamtsnetzwerks verknüpft. Bereits im Vorfeld wurde in einem vom Landkreis initiierten Treffen der Austausch mit Akteurinnen und Akteure aus Heimatforschung und Regionalgeschichte gesucht. Im Projektverlauf werden die Beteiligten regelmäßig informiert und eingeladen, ihre Perspektiven einzubringen— beim Erschließen des Materials ebenso wie bei der Planung und Gestaltung gemeinsamer Veranstaltungen. Die Ehrenamtlichen sind nicht nur Teilnehmende, sondern gestalten das Projekt aktiv mit. So fließen ihre Kenntnisse und Erfahrungen direkt in die Erschließung und Digitalisierung bspw. der Fotografien ein. Die konkreten Arbeitsweisen werden in enger Abstimmung mit ihnen entwickelt, auch um vorhandene Kompetenzen weiter zu stärken. Durch Qualifizierungsangebote und die enge Anbindung an das Heimatforschernetz des LHB werden Grundlagen dafür gelegt, dass das Netzwerk auch über den Projektzeitraum hinaus aktiv bleibt. Die Beteiligten werden so in die Lage versetzt, eigene Projekte anzustoßen oder fortzuführen — fachlich begleitet, aber zunehmend eigenverantwortlich.
Ambition II: ebenen-übergreifend arbeiten
Engagement auf mehreren Ebenen bedeutet für das Projekt die bewusste Verknüpfung lokaler Aktivitäten mit regionalen und überregionalen Partnerstrukturen, um Wirkung, Sichtbarkeit und Nachhaltigkeit zu stärken. Das Projekt wirkt unmittelbar auf das kulturelle Gedächtnis und die soziale Identität im Burgenlandkreis. Es stärkt lokal verankertes Engagement durch Qualifizierungen, digitale Infrastruktur und den Aufbau eines Ehrenamtsnetzwerks, das Wissen vor Ort sichert und zugänglich macht. Durch die enge Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen Akteurinnen und Akteure, regionalen Institutionen (z.B. Bergbaumuseum Deuben) und landesweiten Strukturen (Landesheimatbund Sachsen-Anhalt) entstehen tragfähige Kooperationsbeziehungen. Der Projektpartner DOKMitt e.V. bringt zusätzlich wissenschaftliche Expertise mit regionaler Anbindung ein. Die eingesetzten Formate — wie eine bürgerwissenschaftliche Sammlungserschließung — sind methodisch anschlussfähig und können auch in anderen Regionen oder Themenfeldern adaptiert werden. Damit trägt das Projekt zur Weiterentwicklung bürgerschaftlicher Geschichtsarbeit über die Region hinaus bei.
Ambition III: ‘über’ disziplinär
Das Projekt arbeitet transdisziplinär, indem es wissenschaftliche, zivilgesellschaftliche und technische Perspektiven für ein gemeinsames Ziel verbindet: die Erschließung und Sicherung des industriekulturellen Erbes im Burgenlandkreis. Es vereint Methoden und Perspektiven aus verschiedenen Arbeitsfeldern, darunter Geschichtswissenschaft, Archivarbeit, Digitalisierung, Bildungsarbeit und bürgerschaftliches Engagement. Diese Vielfalt bildet die Grundlage für einen praxisnahen Zugang zur Erschließung und Vermittlung regionalgeschichtlicher Quellen. Im Zentrum steht die Verbindung von historischer Forschung mit sozialwissenschaftlichen Perspektiven — etwa zur Rolle von Erinnerung, kollektiver Identität und lokalem Wissen. Die Erschließung der Ortschroniken wird dadurch nicht nur als technische oder archivische Aufgabe verstanden, sondern als aktiver Beitrag zur Auseinandersetzung mit regionalen Transformationsprozessen. Die Mitwirkung ehrenamtlicher Forscherinnen und Forscher steht im Zentrum. In Schulungen werden sie für bürgerwissenschaftliche Erschließungsprozesse qualifiziert und gestalten diese aktiv mit. Ihr Erfahrungswissen wird systematisch einbezogen – und damit für Wissenschaft, Öffentlichkeit und künftige Forschung produktiv gemacht.
NEB-Kompass Heimatforschernetz Burgenlandkreis
So funktioniert der
NEB-Kompass (PDF)

Durchführung

Verwendete Tools mit Darstellungen des Arbeitsprozesses

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