Projektname:

Bildungswerkstatt für Naturbaustoffe im Schloss Stolberg – „Naturbauwerkstatt“

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Projektdetails:
Verbundpartner:
1. Deutsche Stiftung Denkmalschutz (institutioneller Träger: Fachlichkeit, Qualitätssicherung, Räumlichkeiten im Schloss Stolberg)
2. Fachwerkstadt Stolberg (er)leben e. V. (Lead operative Umsetzung vor Ort: Bildungsangebote, Koordination, lokale Netzwerke)
Art des Projekts:
Umsetzung eines Vorhabens im Bereich: Aufbau einer praxisorientierten Bildungs- und Begegnungsstätte für ökologisches und denkmalgerechtes Bauen mit Naturbaustoffen in einem denkmalgeschützten Gebäude (Schloss Stolberg), ergänzt um mobile Werkstattformate
Grundstücksgröße: 14746 m²
Projektlaufzeit:
Deutsche Stiftung Denkmalschutz: 01.03.2026 – 30.11.2027
Fachwerkstadt Stolberg (er)leben e. V.: 01.08.2026 – 30.11.2027
Kontakt:
Fachwerkstadt Stolberg (er)leben e. V.
Niedergasse 50
06536
Südharz, OT Stolberg
E-Mail:
Simon Vogt (simon.vogt@denkmalschutz.de)

Projektbeschreibung

Die Stadt Stolberg im Südharz ist ein außergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel historischer Fachwerkarchitektur – zugleich jedoch geprägt von strukturellem Wandel, Leerstand und Abwanderung. Besonders junge Menschen verlassen die Region mangels beruflicher Perspektiven, Identifikationsmöglichkeiten und kultureller Angebote, während wertvolles Handwerkswissen im Umgang mit traditioneller Bausubstanz zunehmend verloren geht. Das gefährdet nicht nur das baukulturelle Erbe, sondern auch die Entwicklungspotenziale des ländlichen Raums: Stolberg steht exemplarisch für viele Orte in strukturschwachen Regionen – historisch bedeutsam, aber perspektivisch unter Druck. Hinzu kommt die Herausforderung, ökologische Bauweisen und regionale Wertschöpfung wieder stärker zu verankern, etwa durch die Nutzung natürlicher Baustoffe wie Lehm oder Holz, die in der Region verfügbar und historisch verankert sind. Ziel des NEB_PROJEKTs ist es, im historischen Schloss Stolberg eine praxisorientierte Bildungs- und Begegnungsstätte für ökologisches und denkmalgerechtes Bauen aufzubauen: Die NaturbauWerkstatt verbindet traditionelles Handwerkswissen mit nachhaltigen Bauweisen und vermittelt es generationenübergreifend an junge Menschen, Fachleute, Laien und lokale Akteure. Getragen wird das Vorhaben von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz als institutioneller Trägerin, die Räumlichkeiten, Fachkompetenz und Erfahrung aus der Denkmalvermittlung – unter anderem über die Jugendbauhütten – einbringt, und vom Verein Fachwerkstadt Stolberg (er)leben e. V., der die Umsetzung vor Ort verantwortet. So entsteht ein Ort, der Wissen vermittelt, Menschen verbindet und neue Perspektiven eröffnet – für junge Menschen, für erfahrene Handwerkerinnen und Handwerker und für eine Region im Umbruch.

Projektziele

Das Vorhaben verfolgt drei ineinandergreifende Ziele: praxisorientierte Bildungsangebote zu Naturbaustoffen und traditionellem Handwerk, den Aufbau einer generationsübergreifenden Lern- und Arbeitsgemeinschaft und die Schaffung einer offenen Infrastruktur zur Nutzung, Mitgestaltung und Vernetzung. Inhaltliche Grundlage ist die Sanierung und Weiterverwendung historischer Bausubstanz statt energieintensiver Neubauten; verwendet werden vorwiegend Lehm, Holz und Kalk – Materialien mit geringer grauer Energie und positiver CO₂-Bilanz. Der Betrieb der Werkstatt soll so klimaneutral wie möglich erfolgen: durch energieeffiziente Nutzung bestehender Gebäude, Dämmung mit Naturmaterialien und regenerative Energiequellen; Mobilitätskonzepte, Materialkreisläufe und CO₂-Kompensation sind in die Planung einbezogen. Längerfristig wird geprüft, ob Teile des Ensembles als Plus-Energie-Module entwickelt werden können – etwa durch Photovoltaik auf Nebendächern oder emissionsarme Heizsysteme –, wobei diese technischen Möglichkeiten selbst Teil der Bildungsformate werden. Das Angebot verbindet formelle und informelle Formate: Mitmach-Formate ohne Vorwissen, vertiefende Workshops für Fortgeschrittene, Beratungsangebote und mobile Module („Werkstatt vor Ort“), die Teilhabe außerhalb des zentralen Standorts ermöglichen. In Anlehnung an die Kriterien des New European Bauhaus – „beautiful, sustainable, together“ – versteht sich das Projekt als übertragbares Modell für Regionen mit demografischem Wandel, Fachkräftemangel im Handwerk und gefährdeter historischer Bausubstanz.

Projektimpressionen

Kriterien nach dem NEB_Kompass

Ambition II: verbinden
Ästhetik wird im Projekt nicht als oberflächliche Gestaltung verstanden, sondern als Ausdruck von Sorgfalt, Identität und Wertschätzung gegenüber dem gebauten Raum und der Umwelt. Sie entsteht dort, wo Menschen in einen bewussten gestalterischen Umgang mit ihrer Umgebung treten – durch handwerkliches Arbeiten, das Wiederentdecken regionaler Bauformen und das Einfügen neuer Elemente in historische Kontexte. Stolberg bietet dafür ideale Voraussetzungen: Die weitgehend erhaltene Fachwerkstadt verfügt über eine einzigartige, über Jahrhunderte gewachsene architektonische Identität – nicht nur ein kultureller Schatz, sondern ein aktives Gestaltungsfeld. Die NaturbauWerkstatt macht diese Qualitäten zugänglich: nicht als Museum, sondern als lebendige Baukultur, in der Ästhetik mit Funktionalität, Materialgerechtigkeit und Ortsbezug verbunden wird.
In den Bildungsangeboten werden gestalterische Prinzipien stets mitvermittelt: Proportion, Materialität, handwerkliche Detaillierung und die harmonische Einfügung ins Ortsbild. Gleichzeitig werden die Teilnehmenden ermutigt, selbst ästhetische Entscheidungen zu treffen – etwa im Umgang mit Sichtflächen, Farbgebung oder baulichen Ergänzungen. Durch diese aktive Auseinandersetzung mit Gestaltung entsteht ein tieferes Verständnis für die Qualität des Gebauten und für die Rolle von Schönheit im Alltag. So leistet das Projekt einen Beitrag dazu, die gebaute Umwelt nicht nur funktional zu erhalten, sondern sie bewusst, nachhaltig und gemeinschaftlich schön zu gestalten – im Sinne eines erweiterten, menschenbezogenen Ästhetikbegriffs des Neuen Europäischen Bauhauses.
Ambition II: den Kreislauf schließen
Die Naturbauwerkstatt versteht Nachhaltigkeit als kulturelles, ökologisches und soziales Prinzip. Grundlage ist die Analyse der regionalen Ausgangslage: hoher Sanierungsbedarf, Rückgang handwerklichen Wissens und großes Potenzial durch lokal verfügbare Naturbaustoffe. Ziel ist es, klimafreundliches Bauen praktisch zu vermitteln, traditionelle Techniken wiederzubeleben und zugleich zukunftsweisende Standards zu erproben. Statt energieintensiver Neubauten steht die Sanierung und Weiterverwendung historischer Bausubstanz im Mittelpunkt, mit Lehm, Holz und Kalk als Materialien geringer grauer Energie; in Workshops wird vermittelt, wie Bauentscheidungen Klima und Umwelt beeinflussen. Nachhaltigkeit endet nicht am Werkstück. Der Betrieb der Werkstatt soll so klimaneutral wie möglich erfolgen – durch energieeffiziente Nutzung bestehender Gebäude, Dämmung mit Naturmaterialien und regenerative Energiequellen; Mobilitätskonzepte, Materialkreisläufe und CO₂-Kompensation sind Teil der Planung. Längerfristig wird geprüft, ob Teile des Ensembles als Plus-Energie-Module entwickelt werden können, etwa durch Photovoltaik auf Nebendächern oder emissionsarme Heizsysteme; diese Möglichkeiten werden selbst zum Lerngegenstand, um das Bewusstsein für Energieautarkie und Ressourceneffizienz zu schärfen. Die Vermittlung von Kreislaufdenken und die Wiederbelebung bestehender Gebäude machen Nachhaltigkeit so nicht zu einem abgeschlossenen Zustand, sondern zu einer gemeinsam eingeübten Praxis.
Ambition II: konsolidieren
Das Projekt versteht Inklusion als aktiven Zugang zu Teilhabe – im sozialen, kulturellen und handwerklichen Sinne. Die Analyse der regionalen Ausgangslage zeigt, dass viele Bevölkerungsgruppen im ländlichen Raum – insbesondere junge Menschen, bildungsferne Milieus und ältere Fachkräfte im Ruhestand – kaum Möglichkeiten zur aktiven Mitgestaltung ihres Umfelds haben, während das Interesse an sinnstiftenden, praxisnahen Angeboten wächst, die Bildung, Gemeinschaft und konkrete Handlungsspielräume verbinden. Die Naturbauwerkstatt schafft daher bewusst einen Raum für Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen: Teilnehmen können Jugendliche ebenso wie Berufstätige, Seniorinnen und Senioren oder Seiteneinsteiger. Die Angebote werden inhaltlich und räumlich barrierearm und niedrigschwellig gestaltet; mobile Module („Werkstatt vor Ort“) ermöglichen Teilhabe außerhalb des zentralen Standorts.
Inklusion entsteht im Zusammenwirken: Gezielt werden Begegnungen zwischen Generationen, sozialen Gruppen und Bildungshintergründen angeregt, wobei der Austausch zwischen jungen Menschen und erfahrenen Handwerkerinnen und Handwerkern ein zentrales Element des Konzepts ist. Mitmach-Formate ohne Vorwissen stehen neben vertiefenden Workshops für Fortgeschrittene, und die Zusammenarbeit mit lokalen Vereinen, Betrieben und Bildungseinrichtungen ist strukturell angelegt. Inklusion bedeutet hier nicht bloß Zugang, sondern aktives Zusammenwirken im Sinne einer solidarischen, lernenden Gemeinschaft. So wird die Werkstatt zu einem Ort, der nicht nur Wissen vermittelt, sondern Menschen miteinander in Verbindung bringt und neue soziale Bindungskräfte im ländlichen Raum stärkt.
Ambition III: selbststeuernd
Das Projekt wurde von Beginn an als gemeinschaftlich getragenes Vorhaben konzipiert. Die Analyse der Ausgangslage zeigte, dass viele Menschen in der Region über großes praktisches Wissen, starkes Engagement und eine hohe Identifikation mit ihrer Umgebung verfügen, jedoch oft nicht in Entscheidungsprozesse eingebunden sind. Daraus entstand die Grundidee, die NaturbauWerkstatt nicht nur als Bildungsort, sondern als Plattform für Mitgestaltung zu entwickeln. Bereits in der Planungsphase wurden lokale Akteure eingebunden: Ehrenamtliche, Handwerksbetriebe, Vereine und junge Menschen haben Ideen, Bedarfe und konkrete Beiträge eingebracht.
Beteiligung bleibt strukturell verankert: Regelmäßige Austauschtreffen, Feedbackformate, Kooperationsworkshops und offene Planungstreffen entwickeln Inhalte und Formate der Werkstatt kontinuierlich mit der Zielgruppe weiter. Die operative Umsetzung erfolgt in enger Partnerschaft mit dem regional verankerten Verein Fachwerkstadt Stolberg (er)leben e. V., der als Bindeglied zur lokalen Gemeinschaft fungiert. Die Teilnehmenden sollen nicht nur Nutzer sein, sondern Mitgestalter – durch eigene Kursideen, Beiträge zur Ausstattung oder freiwilliges Engagement. So entsteht ein dynamischer, lernender Prozess, in dem Verantwortung geteilt wird und die Werkstatt Schritt für Schritt zu einem Ort kollektiver Gestaltung wird: offen, wandelbar und tief in der Region verwurzelt.
Ambition II: ebenen-übergreifend arbeiten
Das Vorhaben verzahnt bewusst unterschiedliche Ebenen von Engagement und Verantwortung, denn langfristige Wirkung entsteht nur, wenn lokale Initiativen, zivilgesellschaftliche Gruppen, institutionelle Partner und Einzelpersonen auf Augenhöhe zusammenwirken. Auf lokaler Ebene ist das Engagement regionaler Handwerksbetriebe, Vereine, junger Menschen und Ehrenamtlicher zentral: Sie gestalten Inhalte mit, führen Workshops durch, stellen Räume oder Materialien bereit und verankern das Projekt in der Gemeinschaft; die Kooperation mit dem Verein Fachwerkstadt Stolberg (er)leben e. V. bildet die Brücke zwischen professioneller Organisation und bürgerschaftlicher Teilhabe. Auf institutioneller Ebene bringt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz Fachkompetenz, Reichweite und Erfahrung ein, sichert die Qualität der Bildungsangebote, ermöglicht die Nutzung denkmalgeschützter Räume und sorgt für die strategische Verankerung auf Landes- und Bundesebene. Auf überregionaler Ebene werden weitere Partner, Netzwerke und Bildungseinrichtungen eingebunden – zur Replikation des Modells, zur Durchführung mobiler Werkstattformate und zur Entwicklung von Materialien. So entsteht ein Projekt, das lokal verwurzelt ist und strukturell offen für Weiterentwicklung bleibt.
Ambition III: ‘über’ disziplinär
Das Projekt basiert auf der Erkenntnis, dass die Herausforderungen in Baukultur, Nachhaltigkeit und ländlicher Entwicklung nur im Zusammenwirken unterschiedlicher Perspektiven bearbeitet werden können. In der Analyse des Handlungsfeldes zeigte sich, dass vorhandenes Wissen oft disziplinär getrennt bleibt – zwischen Denkmalpflege, Handwerk, Umweltbildung, Sozialarbeit und Regionalentwicklung. Die Naturbauwerkstatt setzt deshalb bewusst auf einen transdisziplinären Ansatz: Fachliches Know-how aus Denkmalpflege, Architektur und Bauökologie trifft auf praktisches Handwerkswissen, lokale Erfahrungswerte und zivilgesellschaftliches Engagement. Neben Fachleuten werden Ehrenamtliche, Jugendliche, Seniorinnen und Senioren sowie Quereinsteiger aktiv eingebunden – in die Wissensvermittlung ebenso wie in die gemeinsame Entwicklung neuer Lösungen. Die Bildungsangebote verbinden technisches Lernen mit kultureller Reflexion und sozialem Austausch; externe Partner aus Umweltpädagogik, Inklusion, Tourismus und Regionalvermarktung kommen hinzu. Ziel ist es, voneinander zu lernen, Grenzen zwischen Theorie und Praxis zu überwinden und gemeinsam tragfähige Zukunftsperspektiven für den ländlichen Raum zu entwickeln. So entsteht ein lebendiger Ort, an dem formales, informelles und lokales Wissen gleichermaßen wertgeschätzt und produktiv verknüpft werden – im Sinne eines erweiterten transdisziplinären Bildungsverständnisses.
NEB_Kompass Stolberg
So funktioniert der
NEB-Kompass (PDF)

Durchführung

Verwendete Tools mit Darstellungen des Arbeitsprozesses

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