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Mehr InformationenDie Stadt Stolberg im Südharz ist ein außergewöhnlich gut erhaltenes Beispiel historischer Fachwerkarchitektur – zugleich jedoch geprägt von strukturellem Wandel, Leerstand und Abwanderung. Besonders junge Menschen verlassen die Region mangels beruflicher Perspektiven, Identifikationsmöglichkeiten und kultureller Angebote, während wertvolles Handwerkswissen im Umgang mit traditioneller Bausubstanz zunehmend verloren geht. Das gefährdet nicht nur das baukulturelle Erbe, sondern auch die Entwicklungspotenziale des ländlichen Raums: Stolberg steht exemplarisch für viele Orte in strukturschwachen Regionen – historisch bedeutsam, aber perspektivisch unter Druck. Hinzu kommt die Herausforderung, ökologische Bauweisen und regionale Wertschöpfung wieder stärker zu verankern, etwa durch die Nutzung natürlicher Baustoffe wie Lehm oder Holz, die in der Region verfügbar und historisch verankert sind. Ziel des NEB_PROJEKTs ist es, im historischen Schloss Stolberg eine praxisorientierte Bildungs- und Begegnungsstätte für ökologisches und denkmalgerechtes Bauen aufzubauen: Die NaturbauWerkstatt verbindet traditionelles Handwerkswissen mit nachhaltigen Bauweisen und vermittelt es generationenübergreifend an junge Menschen, Fachleute, Laien und lokale Akteure. Getragen wird das Vorhaben von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz als institutioneller Trägerin, die Räumlichkeiten, Fachkompetenz und Erfahrung aus der Denkmalvermittlung – unter anderem über die Jugendbauhütten – einbringt, und vom Verein Fachwerkstadt Stolberg (er)leben e. V., der die Umsetzung vor Ort verantwortet. So entsteht ein Ort, der Wissen vermittelt, Menschen verbindet und neue Perspektiven eröffnet – für junge Menschen, für erfahrene Handwerkerinnen und Handwerker und für eine Region im Umbruch.
Das Vorhaben verfolgt drei ineinandergreifende Ziele: praxisorientierte Bildungsangebote zu Naturbaustoffen und traditionellem Handwerk, den Aufbau einer generationsübergreifenden Lern- und Arbeitsgemeinschaft und die Schaffung einer offenen Infrastruktur zur Nutzung, Mitgestaltung und Vernetzung. Inhaltliche Grundlage ist die Sanierung und Weiterverwendung historischer Bausubstanz statt energieintensiver Neubauten; verwendet werden vorwiegend Lehm, Holz und Kalk – Materialien mit geringer grauer Energie und positiver CO₂-Bilanz. Der Betrieb der Werkstatt soll so klimaneutral wie möglich erfolgen: durch energieeffiziente Nutzung bestehender Gebäude, Dämmung mit Naturmaterialien und regenerative Energiequellen; Mobilitätskonzepte, Materialkreisläufe und CO₂-Kompensation sind in die Planung einbezogen. Längerfristig wird geprüft, ob Teile des Ensembles als Plus-Energie-Module entwickelt werden können – etwa durch Photovoltaik auf Nebendächern oder emissionsarme Heizsysteme –, wobei diese technischen Möglichkeiten selbst Teil der Bildungsformate werden. Das Angebot verbindet formelle und informelle Formate: Mitmach-Formate ohne Vorwissen, vertiefende Workshops für Fortgeschrittene, Beratungsangebote und mobile Module („Werkstatt vor Ort“), die Teilhabe außerhalb des zentralen Standorts ermöglichen. In Anlehnung an die Kriterien des New European Bauhaus – „beautiful, sustainable, together“ – versteht sich das Projekt als übertragbares Modell für Regionen mit demografischem Wandel, Fachkräftemangel im Handwerk und gefährdeter historischer Bausubstanz.
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