Projektname:

Werk.Stadt.Wandel – Technik, Teilhabe, Transformation. Industriekultur und Zukunft im Wiegand-Quartier Merseburg

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Projektdetails:
Verbundpartner:
1. CO.WQ e. V. (Lead Infrastruktur & Betrieb Werkstätten)
2. mohio e. V. (Lead Ko-Kreation, Bildung & Organisationsentwicklung)
Art des Projekts:
Umsetzung eines Vorhabens im Bereich: Umnutzung/energetische Sanierung/Erneuerung eines Industriedenkmals (Halle 5, Baujahr 1936)
Flächenumfang:
ca. 660 m² Bruttogrundfläche (450 m² Haupthalle, 55 m² Küche/Vorraum, 120 m² Bürofläche)
Projektlaufzeit: 06/2026 – 09/2028
Kontakt:
CO.WQ e. V., Roberto Hoffmann
Am Saalehang 4
06217
Merseburg

Projektbeschreibung

Im Wiegand-Quartier in Merseburg, innenstadtnah und direkt an der Saale gelegen, steht mit der 1936 errichteten Halle 5 ein typisches Beispiel mitteldeutscher Produktionsarchitektur der Chemie- und Maschinenbauwirtschaft. Der Standort erzählt 130 Jahre familiengeprägte Industriekultur: In der Maschinenfabrik Wilhelm Wiegand wurden mehrstufige Verdampfer und Strahlpumpen gefertigt und weltweit über 4.000 Anlagen exportiert; Wilhelm Wiegand hielt 25 Patente. Nach der Stilllegung 1994 ging die industrielle Nutzung sukzessive verloren – zuletzt diente die Halle als unbeheizter Stellplatz für Wohnmobile. Die Erlöse decken lediglich Betriebskosten und minimale Instandhaltung; eine baulich-energetische Erneuerung ist so nicht finanzierbar. Merseburg steht damit stellvertretend für viele postindustrielle Mittelstädte Ostdeutschlands: Die Stadt verlor gegenüber ihrem Höchststand rund 30 % der Einwohnerschaft, das Durchschnittsalter liegt bei 47,9 Jahren, und es fehlt an einer belastbaren kulturell-kreativen Infrastruktur. Ziel des Projekts ist es, die leerstehende Halle bis September 2028 baulich-energetisch zu erneuern und zu einem klimapositiven Dritten Ort zu entwickeln, der Re-Use-Bau, Offene Werkstätten und gemeinschaftliches Bauen zu einem operativen Modell nachhaltiger Quartiersentwicklung verbindet.

Projektziele

Das Vorhaben verfolgt drei eng miteinander verbundene Ziele:

Erstens wird die historische Bestandssubstanz der Halle 5 energetisch und funktional so weiterentwickelt, dass ihr langfristiger Betrieb ressourcenschonend und weitgehend auf erneuerbare Energien gestützt werden kann. Photovoltaik, Wärmepumpe, Dachdämmung und die Weiternutzung vorhandener Bausubstanz bilden hierfür die bauliche Grundlage.

Zweitens entsteht eine dauerhaft nutzbare Infrastruktur für Offene Werkstätten, gemeinschaftliche Reparaturpraxis und die Wiederverwendung von Materialien. Die Gemeinschaftsküche ergänzt die Infrastruktur als gemeinschaftlich nutzbarer Ort der Selbstversorgung und unterstützt damit das gemeinsame Arbeiten, Bauen und Gestalten in der Halle.

Drittens werden Nutzer, Vereinsmitglieder und beteiligte Partner in ausgewählte Fragen der baulichen und funktionalen Entwicklung einbezogen. Gemeinsame Bau- und Ausbauformate ermöglichen Mitwirkung unmittelbar am entstehenden Ort. Planung, Umsetzung und Erfahrungen werden nachvollziehbar dokumentiert und so aufbereitet, dass sie für vergleichbare Vorhaben nutzbar sind.

Projektimpressionen

Kriterien nach dem NEB_Kompass

Ambition II – verbinden
Schönheit entsteht im Wiegand-Quartier aus dem bewussten Umgang mit der vorhandenen Industriearchitektur. Die charakteristische Konstruktion der Halle, ihre historischen Oberflächen, Stahlbinder und das Holzbalkendach bleiben sichtbar und werden mit neuen Bauteilen und Nutzungen so verbunden, dass Altbestand und Weiterentwicklung ablesbar bleiben. Exponate zum historischen Wiegand-Verdampfer und weitere Elemente der Industriegeschichte verankern den Ort in seiner Geschichte.
Bei baulichen und räumlichen Fragen werden Nutzer und beteiligte Partner dort einbezogen, wo dies unmittelbar mit dem Ausbau verbunden ist. Dazu gehören insbesondere Materialwahl, Oberflächen, Farbgebung, Möblierung und funktionale Anordnung. Re-Use-Materialien und modular aufgebaute Möbel unterstützen einen flexiblen und ressourcenschonenden Gebrauch. So entsteht die ästhetische Qualität aus dem Zusammenspiel von historischer Substanz, Materialität, funktionaler Gestaltung und gemeinschaftlicher Aneignung.
Ambition II – den Kreislauf schließen
Nachhaltigkeit wird im Wiegand-Quartier ökologisch, sozial und langfristig gedacht. Ausgangspunkt ist die Weiternutzung der bestehenden Halle: Statt Abriss und Neubau wird die vorhandene Bausubstanz erhalten, energetisch ertüchtigt und für neue Nutzungen angepasst. Photovoltaik, Wärmepumpe und Dachdämmung schaffen die Grundlage für einen weitgehend erneuerbaren Gebäudebetrieb und reduzieren den Verbrauch fossiler Energie.
Auch beim Ausbau steht der sparsame Umgang mit Ressourcen im Mittelpunkt. Vorhandene Bauteile werden möglichst erhalten, geeignete Materialien aus Rückbau wiederverwendet und Materialinformationen dokumentiert. Die Offenen Werkstätten, die Materialinitiative, der Gebrauchtbaumarkt und die Reparaturpraxis verlängern die Nutzungsdauer von Materialien, Werkzeugen und Gegenständen und unterstützen regionale Kreisläufe.
Zur Nachhaltigkeit des Vorhabens gehört zugleich soziale Inklusion: Barrierefreie Zugänge, gemeinschaftlich nutzbare Infrastruktur sowie geteilte Werkzeuge und Materialien senken räumliche und finanzielle Zugangshürden und ermöglichen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen eine dauerhafte Nutzung des Ortes.
Ambition II – konsolidieren
Das Wiegand-Quartier soll ein möglichst niedrigschwellig zugänglicher gemeinschaftlicher Ort werden. Bauliche Barrierefreiheit, gut verständliche Orientierung und eine offene Nutzungsstruktur schaffen dafür wesentliche Voraussetzungen. Werkzeuge, Materialien und technische Infrastruktur werden gemeinschaftlich nutzbar gemacht und verringern so individuelle Zugangshürden.
Inklusion entsteht vor allem im gemeinsamen Tun: beim Bauen, Reparieren, Arbeiten in den Werkstätten und beim Aushandeln gemeinsamer Regeln. Unterschiedliche Erfahrungen und Fähigkeiten können dabei eingebracht werden, ohne dass eine bestimmte formale Qualifikation vorausgesetzt wird. Kooperationen mit sozialen Einrichtungen, Bildungsträgern und Kulturakteuren schaffen zusätzliche Zugänge und sprechen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen gezielt an. Teilhabe wird durch eine zugängliche Infrastruktur, gemeinschaftlich nutzbare Ressourcen und transparente Beteiligungsmöglichkeiten ermöglicht. Die partizipative Gestaltung von Regeln schafft verbindende Räume. Damit geht das Projekt über bloße Einbeziehung hinaus und erprobt neue Formen des Zusammenlebens und Wirtschaftens – Co-Kreation, Sharing Economy, Commoning – als lebendiges Labor für soziale Innovation und Teilhabe auf Augenhöhe.
Ambition III – selbststeuernd
Bereits 2024 fanden zwei öffentliche Dialog-Workshops mit Stadtverwaltung, Vereinen und interessierten Bürger:innen auf dem Gelände statt; im „Pioniersommer” 2024 erprobten Stadtwerkstätten, Nutzungsexperimente, Makerspace-Ansätze und Kulturformate die Aneignung der Halle.
Die bereits begonnene Beteiligung wird während der baulichen Entwicklung fortgeführt. Informationen zu Planung und Baufortschritt werden transparent zugänglich gemacht und Rückmeldungen der Nutzer, Vereinsmitglieder und beteiligten Partner dort aufgenommen, wo sie für Ausbau, Nutzung und Organisation des Ortes relevant sind. Gemeinsame Bau- und Ausbauphasen schaffen konkrete Möglichkeiten, unmittelbar an der Entwicklung der Halle mitzuwirken.
Der Verein versteht sich als gelebter Ort der Demokratie: Alle Mitglieder sind gleich stimmberechtigt, die Hürden für eine Mitgliedschaft werden solidarisch niedrig gehalten. Die Selbststeuerung ist damit strukturell angelegt: Trägerschaft und Entscheidungen liegen bei einem offenen, demokratisch verfassten Verein, dem sich alle Beteiligten anschließen können. Das Projekt ist sich bewusst, dass nicht alle Zugangsbarrieren abgebaut sind und häufig dieselben Menschen teilnehmen. Eine professionelle Öffentlichkeitsarbeit soll bislang weniger erreichte Gruppen einbinden. Ziel ist ein eigenständig und selbsttragend agierender Trägerverein, in dem die Beteiligten befähigt werden, eigene Ideen umzusetzen und Verantwortung dauerhaft zu übernehmen.
Ambition II – ebenenübergreifend arbeiten
Das Vorhaben verbindet lokale Umsetzung mit regionaler und überregionaler Vernetzung. Im Mittelpunkt steht die konkrete Entwicklung der Halle gemeinsam mit dem Trägerverein, Nutzern, regionalen Handwerksbetrieben, zivilgesellschaftlichen Partnern und weiteren Akteuren aus Merseburg und Umgebung. Sie bringen praktische Erfahrungen, Materialien, technische Kompetenz und Perspektiven auf die künftige Nutzung ein.
Regionale Partner aus Wissenschaft, Handwerk, Verwaltung und Zivilgesellschaft unterstützen das Vorhaben mit fachlichem Wissen und vorhandenen Netzwerken. Überregionale Kontakte zu Offenen Werkstätten, Re-Use-Initiativen und NEB-Netzwerken ermöglichen Erfahrungsaustausch und die Weitergabe der im Projekt entwickelten Lösungen.
Im Zentrum steht dabei stets die lokale bauliche Umsetzung. Die überregionalen Kooperationen dienen dazu, vorhandenes Wissen für das Projekt nutzbar zu machen und die Erfahrungen aus dem Wiegand-Quartier für vergleichbare Vorhaben zugänglich zu dokumentieren.
Ambition II – interdisziplinär
Die Entwicklung der Halle verbindet unterschiedliche fachliche Perspektiven. Architektur und Bauplanung, Energie und Gebäudetechnik, Handwerk, Kreislaufwirtschaft, Organisationsentwicklung und Erfahrungen aus der späteren Nutzung werden zusammengeführt. Fachwissen aus Hochschulen, Handwerksbetrieben und Planung trifft dabei auf das praktische Erfahrungswissen der Menschen, die den Ort bereits nutzen und weiterentwickeln.
Diese Zusammenarbeit konzentriert sich auf konkrete Aufgaben der Planung, Sanierung, Ausstattung und späteren Organisation der Halle. Technische Planungsdaten, Erfahrungen mit Re-Use-Materialien, Erkenntnisse aus dem Gebäudebetrieb und organisatorische Lösungen werden gemeinsam dokumentiert. So entsteht Wissen unmittelbar aus der praktischen Umsetzung, ohne dass eigenständige Bildungs-, Schulungs- oder Veranstaltungsprogramme Bestandteil der Förderung sein müssen.
NEB_Kompass Wiegand-Quartier
So funktioniert der
NEB-Kompass (PDF)

Durchführung

Verwendete Tools mit Darstellungen des Arbeitsprozesses

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