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Mehr InformationenIm Ortskern von Droyßig steht mit der Kritzinger Villa, der ehemaligen Direktorenvilla der 1847 dem preußischen Staat gestifteten königlichen Bildungsanstalten Droyßig, ein denkmalgeschütztes Gründerzeitgebäude inmitten des bereits teilsanierten dreiflügeligen Schulensembles – unsaniert und in seinem Bestand gefährdet. Namensgeber ist Wilhelm Kritzinger, erster Direktor der Droyßiger Anstalten und Dichter des zum regionalen Kulturerbe zählenden Weihnachtsliedes „Süßer die Glocken nie klingen“. Der Schulkomplex wurde 2018 an die Fürst-Otto-Victor-Stiftung-Droyßig übertragen, die seither aus eigenen Mitteln mehr als 850 T€ in Fenster, Sanitäranlagen, Heizung, Sandsteingewerke und Außenputz des Hauptgebäudes sowie mehr als 150 T€ in ideelle Projekte investiert hat; eine Sanierung der Villa ist aus Eigenmitteln nicht finanzierbar. Zugleich fehlt in der Gemeinde ein Ort der Kulturproduktion, der die Ressourcen der beiden örtlichen Bibliotheken und der Vereinsstrukturen bündelt. Ziel des NEB_PROJEKTs ist es, die Villa durch sinnvolle Nutzung als Kulturvilla zu erhalten und sie gleichzeitig zum erlebbaren Demonstrator für Niedrigenergietechnik im denkmalgeschützten Bestand zu entwickeln: Bibliothek, Medienlabor und Makerspace, Mentorinnenprojekt, Musik- und Kreativräume, Reparatur-Café und „Ausleih-Bibliothek der Dinge“ entstehen in einem Gebäude, dessen Technik anschaulich gemacht und erklärt wird. Als Verbundpartner bringt das Fraunhofer IMWS Halle die energetische Konzeption ein und entwickelt aus der Sanierung heraus Szenarien für ein erweitertes Energy Sharing – Strom und Wärme – über das Gebäudeensemble der Droyßiger Anstalten hinaus bis in die umliegende Ortslage.
Das Vorhaben verfolgt drei ineinandergreifende Ziele: die nachhaltige Sanierung der Kritzinger Villa als exemplarisches Haus 1, die Entwicklung eines Ausbaukonzeptes zur Übertragung dieser Sanierung auf den gesamten Gebäudekomplex bis hin zum Energy Sharing auf Quartiersebene, und die partizipative Bewertung dieses Ausbaukonzeptes samt prototypischer Subsysteme. Bauliche Grundlage sind kapillare Niedertemperatur-Deckenheizungen und LED-Beleuchtung. Allein durch Kapillarrohrsystem und LED-Technik sinkt der Energieverbrauch gegenüber der bisherigen Ausstattung um rund 65 %. Die neue Heiztechnik bleibt zunächst an die bestehende Heizungszentrale angebunden und wird stufenweise auf Umweltenergie umgestellt; für Schloss und Verwaltungsbau der Verbandsgemeinde im Umkreis von 300 m bietet sich perspektivisch ein kommunales Wärmenetz, etwa auf Basis von Geothermie, an. Alte, solide Bauteile des Originalbestandes – Türen, Treppen und Treppengeländer – werden erhaltend aufgearbeitet; deshalb wurde auf eine Fußbodenheizung verzichtet. Ein denkmalschutzkonformer Außenfahrstuhl an der Nordwestecke erschließt das Haus. Das Fraunhofer IMWS erhebt die energetischen Potenziale am Gebäudeensemble und im umliegenden Quartier und optimiert daraus Energy-Sharing-Szenarien und führt sie in einem Multistakeholderprozess zu einem abgestimmten Ausbauplan zusammen. Parallel entstehen ko-kreativ entwickelte Funktionsmuster: beheizte Bibliotheks- und Schulmöbel in Strukturleichtbau und flexible Raumeinbauten für kulturelle Nutzungen – realisiert mit den Werkstätten der Burg Giebichenstein / Innenarchitektur. Jugendliche werden über eine „Schulbauhütte“ und das Wahlpflichtfach „Planen, Bauen, Gestalten“ in die Bautätigkeit einbezogen und zu Gästeführern und Botschaftern nachhaltiger Sanierung ausgebildet. Ergebnisse werden über das Club-of-Rome-Schulnetzwerk, den Austausch mit der University of South Carolina, Energie-Avantgarde-Anhalt e. V. und das Forum Rathenau verbreitet. In Anlehnung an die Kriterien des New European Bauhaus – „beautiful, sustainable, together“ – versteht sich das Projekt als übertragbarer Prototyp für den gründerzeitlichen Schul- und Denkmalbestand Mitteldeutschlands.
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